Wie bewertet man Forschung? Keine Zeit für Eifersüchteleien
Willst du tausend Meilen gehen, so tue den ersten Schritt.“ Besonders weit scheint in Deutschland der Weg, ein anerkanntes Instrumentarium für das Bewerten von Forschungsleistungen zu entwickeln. Schon die Voraussetzungen sind schwierig, da die verschiedenen Institutionen – Statistisches Bundesamt, DFG, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Bundesforschungsministerium – ihre Daten zu Drittmitteln und Hochschulpersonal nach unterschiedlichen Methoden erfassen. Zudem gibt es keine zentrale Einrichtung, die solche Indikatoren sammelt und auswertet wie in Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden. Bisher haben nur Baden-Württemberg und Niedersachsen Evaluationsagenturen eingerichtet, die aber keine Leistungsvergleiche veröffentlichen.
Dabei haben Rankings Konjunktur, auch wenn sie in der Wissenschaft selbst nicht besonders beliebt sind. Wie sagte der Präsident der TU Darmstadt, Johann-Dietrich Wörner: „Ich akzeptiere jedes Ranking, bei dem wir auf den ersten drei Plätzen liegen.“ Dabei besteht Einigkeit darüber, dass nicht nach Hochschulen, sondern nur nach Fachgebieten verglichen werden darf. Verschiedene Zeitschriften liefern hierzulande solche Ranglisten. Doch sie gelten nur für die Lehre und sollen Studenten Orientierung bieten. Lediglich die DFG und das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) ermitteln Daten zur Forschung.
Es gibt ein großes Interesse an mehr Leistungstransparenz in der öffentlich geförderten Forschung, unter anderem vonseiten des Stifterverbands, einer Initiative der deutschen Wirtschaft. Deshalb haben wir die DFG finanziell bei ihrem Vorhaben unterstützt, bereits vorhandene Daten aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen. Sie machen deutlich: Deutschland hat eine differenzierte Forschungslandschaft. Das Förder-Ranking gibt klare Hinweise auf Exzellenz. Es ist für Deutschland von großem Interesse, diese so genannten Kompetenz-Cluster nach außen bekannter zu machen.
Trotz der zahlreichen Daten bietet das DFG-Förder-Ranking jedoch nur einen Ausschnitt; die gesamte außeruniversitäre Forschung ist ausgeblendet. Offen bleibt auch, wie konkurrenzfähig unsere Hochschulforschung außerhalb des nationalen Schutzraums ist. Deshalb gilt es in Zukunft, verstärkt internationale Analysen in die Auswertung einzubeziehen.
Anstatt sich in endlose Methodendiskussionen zu verstricken, sollte man in einem umgrenzten Bereich mit dem Leistungsvergleich anfangen und die Verfahren an konkreten Beispielen weiterentwickeln. Für Eifersüchteleien haben wir keine Zeit: Das jetzige DFG-Ranking beweist, dass Wissenschaftsorganisationen gemeinsam viel erreichen können. Ekkehard Winter
Der Autor ist stellvertretender Generalsekretär beim Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, einer Initiative der deutschen Wirtschaft, die allein 2002 für Bildung und Forschung 31 Millionen Euro bereitstellte
- Datum 03.07.2003 - 14:00 Uhr
- Serie hochschule
- Quelle (c) DIE ZEIT 03.07.2003 Nr.28
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