wie Bikini-Atoll. Ein Stück Stoff wie ein Fetzen Land im südlichen Pazifik, den die Amerikaner 1946 für Atomtests entdeckten. Die entblößende Minimalbedeckung nach einem Katastrophengebiet zu benennen, hat sich Bikini-Erfinder Louis Réard fein ausgedacht. Der gelernte Maschinenbauingenieur (auf sein Konto gehen auch ein Amphibienwagen und Gummibrüste) war ein Zyniker oder ein Realist. Die Insel ist längst tot, für Wracktaucher aber ein heißer Spot. Wie die Insel nährt das Textil die Skepsis, ob alle Errungenschaften wirklich Errungenschaften sind. Früher ging man voll bekleidet unter, und dabei blieb manches unentdeckt. Dem Bikini haftet jedenfalls – auch das hat er mit dem Atoll gemein – zeitlebens ein Hauch menschlicher Selbstzerstörung an. Uschi Glas hat…, ach lassen wir das. Der Bikini zeigt Ausschnitte der Welt, von denen wir nichts wissen wollen. Er verkleinert das Ego von pubertierenden Mädchen und erwachsenen Frauen auf ein von Schnüren gehaltenes Nichts. Heidi Klum führt diesen Sommer auf H&M-Plakaten Bademode vor. Klar, dass der Bikini Namensgeber für Diäten ist. Damit ist fast alles über ihn gesagt. Vielleicht eine letzte Wahrheit noch: Der Bikini macht dumm. Zumindest Frauen. Mathematische Gleichungen, die sie korrekt gekleidet ohne Mühe lösen, werden im knappen Zweiteiler zum Problem. Bei Männern macht es keinen Unterschied, ob sie Badehose tragen oder Anzug. Das haben amerikanische Psychologinnen herausgefunden. Der Bikini als Entschuldigung für Rechenschwäche – vielleicht der einzige Grund, ihn auch diesen Sommer wieder am Strand zu tragen.