Zum Unglück des Menschen gehört auch, dass ihm niemals wirklich gelingt, nichts zu tun. Denn selbst im Schlaf, wie wir wissen, arbeitet er; zum Beispiel an der Bewältigung früher Traumata. Aber im Sommer am Strand, wenn die Sonne das Hirn langsam wegbrennt und spitze Kinderschreie die letzten neuronalen Schaltprozesse unterbrechen, kommt er doch manchmal dem Zustand eines dämmernden Übergangs in die anorganische Materie näher. Der Mensch sinkt in die Erde zurück, er versickert durch die Badematte hindurch im Sand, schwindet dahin wie eine trocknende Qualle, von der am Ende nur noch ein perlmuttartig schillerndes Häutchen aus Salz bleibt. Der psychedelische Übergang in jenes Schillern ist das, was der Sonnenbadende sucht; die Bräunung der Haut ist nur ein Vorwand, und ihre ungesunden Aspekte werden in Kauf genommen wie die eines jeden Drogenkonsums. Natürlich muss, damit der Übergang in den bewusstlosen Zustand gelingt, alles Feuchte und Kühlende vom Menschen fern gehalten werden; im Wind der Nordsee oder des Atlantiks ist alles vergeblich, hier wird der Mensch mit jedem Sandkörnchen, das ihm in Augen, Mund und Nase bläst, nur immer wacher, hektischer und hungriger. Er muss aufspringen und herumrennen, Gespräche und Ballspiele ziehen ihn magisch an, und höchstens ein Tütchen Pommes frites wird ihn beruhigen, insofern das Salz darin ihn an das erinnert, was von der sterbenden Qualle übrig bleibt, während er in Wahrheit einer lebenden Qualle immer ähnlicher, nämlich dicker wird.