Eine besonders schlechte Angewohnheit des Menschen ist sein Drang, überall ein abgestecktes Territorium zu beanspruchen. Dies mag einst, als es böse Nachbarstämme gab, Kannibalen und Säbelzahntiger, in Ordnung gewesen sein, ist im zivilisierten Kontext aber absurd. In monströsen Strandhotels mit kleinen Zimmern huschen frühmorgens merkwürdige Gestalten durch die schmalen Gänge, schützend ein Badetuch vor den Bauch gepresst. Sie erinnern an frühzeitliche Jäger, wie sie geduckt und zielstrebig durch die Hotelanlage pirschen auf dem Weg zu ihrer Beute, den Liegestühlen am Pool oder am Strand. Dort angekommen, werden die Strandtücher schnell auf die begehrten Plätze gelegt. Aber natürlich herrscht jetzt die Sorge, dass irgendein Rücksichtsloser den ergatterten Platz dennoch für sich beanspruchen könnte.

Bei der Platzsicherung ist vieles zu bedenken: Wo ist der beste Platz? Wo ist Schatten und Sonne zugleich, das Wasser nah und auch die Bar? Wo ist jener Platz, an dem die saufenden Engländer auf Distanz bleiben, die schreienden Kinder nachlässiger Spanier, Herr und Frau Schulz aus Herne, die nur von ihren Krankheiten erzählen und einen Hund dabeihaben? Wie hält man sich die kiffenden und Musik hörenden Jugendlichen vom Hals, die eigentlich noch mit ihren Eltern verreisen sollten? Das ist das Bittere am Strandleben: dass die feindlichen Nachbarstämme, Kannibalen und Säbelzahntiger doch nicht der Vergangenheit angehören. Sondern dass sie nur anders heißen.