Über die Wellen möchte man ohne langes Nachdenken behaupten, sie seien eigentlich nichts, was ja auch stimmt. Dann fällt einem sofort ein, was ist, wenn keine Wellen da sind: Still ruht die See. Wären Wellen nichts, dürfte sich durch ihre Subtraktion vom bewegten Meer in diesem keine Veränderung ergeben. Da dies nicht der Fall ist, sind Wellen nicht nichts, sondern etwas – bloß was? Nun, Wellen sind, könnte man nach längerem Nachdenken sagen, ein erheblicher Turbulenzfaktor am Strand. Weit draußen vom Winde erweht, brechen sie kurz vorm Ziel, sich erschöpfend im Flutsaum, der im Jahrmillionen währenden Kräftemessen zwischen Ozean und Landmasse den aktuellen Frontverlauf spiegelt. Hier zeigt die Welle ihren Dualismus: Mal das Maß, das voll ist, mal das Fass, das überläuft. Wehe, wenn sie nicht zum Stehen kommt. Und das gilt nicht nur am Strand: "Welle, Welle manche Strecke", hieß es im Klassiker der deutschen Wellness-Lyrik, dem Zuberlehrling, der das tragische Schicksal einer stundenweise beschäftigten Hilfskraft in einem Spaßbad auf unvergessliche Weise thematisierte.