Wir sind Helden Sound der RezessionSeite 2/2
Nicht ganz so erfreulich, dass Judith Holofernes dem Modell des frechen, aber auch lieben Mädchens zur Rückkehr verhilft. Der Verzicht, die Genügsamkeit, das letztendlich Brave ihrer Ringel-T-Shirt-Erscheinung zitieren die Rückseite traditioneller Konsumkritik, wie man sie weniger aus den Neon-Achtzigern als aus den Siebzigern kennt: Unter dem Pflaster erhofft man sich den Strand. Und wenn es draußen allzu sehr stürmt, ist schon einmal eine Schulter zum Kuscheln gefragt. Auch in dem Frauenbild bleibt die Sängerin Hippietochter: kein Vamp, keine Megäre, auch keine Zimtzicke, sondern solide Vertreterin solider Werte wie Wärme, Natürlichkeit, Echtheit. Vielen, denen die aufgebrezelten Achtziger-Mädchen mit ihren dreieckigen Frisuren und spitzen Schuhen damals wie heute nicht ganz geheuer waren, wird das eine Wohltat sein.
Doch auch wenn dieses Zurück zur Authentizität manchmal wie eine kleine konservative Revolution anmutet: Entziehen kann man sich kaum, schon mangels Alternativen. Das große Versprechen der Popmusik, alles sei möglich, ist längst zu billigen Werbeslogans und übermächtigem Leistungsdruck eingedampft, neue Utopien sind nicht in Sicht. Bleibt nur, sich eine Weile an die alten zu halten. Weniger ist mehr, singt Judith Holofernes, die alles durfte und nichts musste und deshalb weiß, dass man manchmal kleinere Brötchen backen muss. Keine Frage, dass sie mit solchen Botschaften ein großes Publikum erreichen wird.
- Datum 03.07.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 03.07.2003 Nr.28
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