Bibliometrie Der ZitatenjägerSeite 3/3
Das größte Problem der Leidener Wissenschaftler: Sie sind nicht selbst Herr über ihre Zitationenquelle, sondern beziehen ihre Angaben vom Institute for Scientific Information (ISI) in Philadelphia, dem Monopolisten im Zitiergeschäft. Dessen Datenbanken bilden die Grundlage für alle Bibliometriker weltweit – wenn auch eine unvollständige und nicht selten fehlerhafte. Sie berücksichtigt nur Aufsätze in Zeitschriften, verwechselt schon einmal Frankfurt/Oder mit Frankfurt/Main oder unterscheidet die „State University of Leiden“ und die „Leiden University“, die in Wahrheit identisch sind.
Viel Arbeit investieren die Leidener Forscher deshalb darin, die amerikanischen Daten zu bereinigen. Ein Mitarbeiter des Instituts kümmert sich um nichts anderes, als mithilfe von Atlanten, Universitätsverzeichnissen und dem Internet die Professoren und Institute den richtigen Hochschulen zuzuordnen.
Zahlen für das Volk
Anthony van Raan gehört nicht zu den bedenkenlosen Modernisierern, die aus Universitäten Wirtschaftsunternehmen machen möchten. Im Gegenteil, der 57-jährige Wissenschaftler liebt die Tradition der Leidener Universität, einer der ältesten der Welt. Stolz führt er durch die alten Hochschulgemäuer und erzählt, wie sich die Professoren zum Geburtstag der Academia Lugduno Batava einmal im Jahr gemessenen Schrittes in ihren Talaren den Leidener Bürgern präsentieren. Doch genau diesen Bürgern sei die Universität auch verantwortlich, meint van Raan: „Die Gesellschaft hat ein Recht darauf, zu erfahren, ob wir unsere Arbeit anständig machen.“
In Holland wird diese Ansicht von den meisten Wissenschaftlern geteilt. Dass es in Deutschland anders ist, weiß der Leidener Professor. Sechs Jahre lang hat er in Bielefeld geforscht, eine Reihe deutscher Forschungsinstitute evaluiert. „Diskussionen mit den Deutschen sind mühsam“, sagt van Raan. Stets müsse man zuerst grundsätzlich erklären, warum eine Evaluation berechtigt und sinnvoll sei. Einmal, in einer deutschen Universität, sei ein Professor nach einem Vortrag van Raans aufgestanden und habe gesagt, Forschung sei wie Liebe, so etwas könne man nicht messen. Van Raan antwortete trocken: „Wenn die Qualität der Beziehung gegen null geht, ist es auch mit der Liebe nicht weit her.“
- Datum 10.07.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 10.07.2003 Nr.29
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