Essay Das alte Lied der neuen HoffnungSeite 3/3

Aber es gibt keinen Grund für die Annahme, die Geschichte sei abgeschlossen. Eines haben die Israelis aus den dramatischen Veränderungen, die sich am Ende des vergangenen Jahrhunderts in Südafrika, in Osteuropa und in Deutschland ereignet haben, gelernt, dass die Zeit nicht stillsteht, und dass selbst das, was einmal wie eine Fantasie erschien, plötzlich ganz realistisch sein kann. Das ist es auch, was die Israelis, mit großer Hoffnung, aus dem Sturz von Saddam Husseins Regime im Irak lernen. Auch im Streit zwischen Israel und den Palästinensern gibt es heute noch fantastisch erscheinende Hoffnungen für die Zukunft. Ein palästinensischer Staat wird zum Beispiel nur schwer Bestand haben können, sogar wenn Israel auf alle besetzten Gebiete verzichtet. Doch ein solcher Staat kann sich auf das Gebiet Jordaniens ausdehnen, dessen Bewohner zum größten Teil Palästinenser sind. Mit dem Sturz Saddam Husseins hat sich die Gefahr verringert, dass ein solcher erweiterter Palästinenserstaat als offener Korridor für eine arabische Invasion nach Israel dienen könnte.

Die Israelis könnten für den Verzicht, zu dem sie gezwungen sein werden, von Europa angemessen entschädigt werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die meisten Israelis das Angebot akzeptieren würden, Israel als Ausgleich für die Aufgabe der besetzten Gebiete zum vollwertigen Mitglied der europäischen Gemeinschaft zu machen. Aber auch das kann nicht bis um sechs Uhr nach dem Krieg Wirklichkeit werden; noch nicht mal bis 2005.

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Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler

 
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