Agnetha Fältskog, frühere Abba-Sängerin, wird wieder verfolgt. Ein 53-Jähriger aus Holland versuchte, sich auf ihr Grundstück zu schleichen. Schon vor zwei Jahren hatten Richter dem Mann verboten, nach Schweden einzureisen, um Fältskog nachzustellen – kürzlich lief die Frist ab. Opfer solchen "Stalkings" werden nicht nur Prominente; das Phänomen ist auch in Deutschland verbreitet. Ein Gespräch mit dem Stalking-Experten und Anwalt Volkmar von Pechstaedt.

Wo hört harmloses Hinterherlaufen auf, wo fängt Stalking an?

Man spricht von Stalking, sobald der Täter Aktivitäten wiederholt gegen den Willen des Opfers unternimmt: Anrufe, Zusenden von Liebesbriefen, E-Mails, Blumensträußen et cetera. Die Liste ist beliebig fortsetzbar. Das Verhalten des Stalkers schlägt dann in Verleumdungen und Beleidigungen um, wenn das Opfer nicht auf das Handeln des Täters reagiert, und kann in jahrelangem Psychoterror münden. Bei meinem drastischsten Fall zog sich die Peinigung über 28 Jahre hin.

Ist Stalking hinreichend mit "Liebeswahn" beschrieben?

Nein, weil nur ein Teil der Stalker unter Erotomanie leidet. Andere Stalker-Typen sind "sozial inkompetent" oder wollen Vergeltung für vermeintliches Unrecht üben. Wieder andere verfolgen ihr Opfer, um schwerere Straftaten vorzubereiten.

Wie empfänglich sind Stalker für abwehrende Reaktionen ihres Gegenübers?

Da sie meist kein Unrechtsbewusstsein haben, so gut wie gar nicht. Mit Erfindungsreichtum, viel Energie und auch Intelligenz sammeln Stalker detaillierte Informationen über ihr Opfer und spinnen diese zu unglaublich komplexen Szenerien zusammen. Das macht es für Richter häufig so schwer, die Wahrheit zu erkennen, sofern Stalking-Fälle überhaupt vor Gericht kommen.