Künstliche Intelligenz Der KnieQ

Braucht Intelligenz einen Körper? Ja, sagen Robotiker – und scheitern an einfachsten Aufgaben

Wie ein Mensch, der barfuß über heißen Sand läuft, betritt Asimo die Bühne. Jeder Schritt des humanoiden Roboters ist von seinem Elektronengehirn wohl überlegt, da gibt es kein gedankenloses Schlendern. Sein etwas hüftsteifer Hula-Tanz zeigt keine Spur von Südseelässigkeit, die 26 Gelenke sind fest im Griff der Algorithmen, die ihm seine Schöpfer eingegeben haben. Und wenn Asimo in einer Geste der gespielten Entrüstung die Arme in die Seiten stemmt, dann wirkt das doch arg albern. Das soll das Ergebnis der jahrzehntelangen Bemühungen sein, Künstliche Intelligenz im Wortsinn zu verkörpern?

Dennoch: Der 1,20 Meter große Roboter ist ein Erfolg der Ingenieure, der vorläufige Höhepunkt einer Arbeit, mit der die Firma Honda vor 17 Jahren begonnen hat. Obwohl der Name offiziell ein Akronym ist – für Advanced Step in Innovative Mobility –, denkt doch jeder Science-Fiction-Freund gleich an den Autor Isaac Asimov, den Erfinder der berühmten drei Robotergesetze (nach denen die Blechkameraden das Leben von Menschen und ihr eigenes schützen und jedem Menschen gehorchen müssen). Vergangene Woche wurde Asimo in Darmstadt erstmals dem europäischen Publikum präsentiert, und wohl kein Zuschauer bezweifelte, dass das putzige Kerlchen sich stets an die Asimovschen Gesetze hält. Das ist der Stand der Roboterintelligenz im Jahr 2003: von Autonomie keine Spur – noch sind die Roboter auf menschliche Operatoren angewiesen, die im Hintergrund die Befehle geben.

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Trotzdem: Die Honda-Ingenieure haben einige Probleme überwunden, die 1986 beim Start des Projekts nahezu unlösbar erschienen. Vor allem haben sie den aufrechten Gang auf zwei Beinen bewältigt: Asimo kann Treppen steigen, ohne dass sein 30-Kilo-Körper das Gleichgewicht verliert, er legt sich beim Gehen elegant in die Kurve, und er balanciert sogar auf einem Bein.

Schon die wenigen Kunststücke und ein paar mit infantiler Computerstimme gesprochene, fest programmierte Sätze reichen, das Publikum in Verzückung zu versetzen. „Pygmalion-Effekt“ nennen das die Psychologen. „Wir können gar nicht anders, als so einem Wesen Leben und Erleben zu unterstellen“, sagt der Münchner Hirnforscher Ernst Pöppel auf dem von Honda veranstalteten Roboter-Symposium. Menschengleiches Empfinden interpretieren wir in Hunde und Katzen hinein – und erst recht in ein Geschöpf, das uns in Statur und Verhalten ähnelt.

Deshalb löst die Vision des humanoiden Roboters größere Gefühle aus als etwa ein Schach spielender Computer – Euphorie oder Aversion, je nach Mentalität. Technikbegeisterte Japaner würden einen solchen Service-Roboter lieber heute als morgen in ihre Familie aufnehmen, grübelnde Deutsche sorgen sich dagegen bereits um die Zukunft einer herzlosen Gesellschaft, in der vereinsamte Alte von einem humanoiden Maschinenpark betreut werden.

Beide Visionen sind verfrüht. Bis die Androiden wirklich auf eine komplexe Umwelt losgelassen werden, wird es noch dauern. Asimo etwa kann man derzeit nicht kaufen, sondern allenfalls mieten, zum Tagessatz von 16000 Euro inklusive Betreuer. Dann empfängt der Blechkasten zum Beispiel Besucher in einer Firmenzentrale und spult einen vorgefertigten Begrüßungstext ab. Seine Intelligenz reicht dazu aus, menschliche Silhouetten zu erkennen und auf ein paar Handsignale sowie einen begrenzten Satz japanischer Kommandos zu reagieren. Aber wenn man ihn umschubst, kann er nicht ohne fremde Hilfe aufstehen.

Erst rechnen, dann laufen

Asimo repräsentiert die Avantgarde im Roboterbau. An dem einen oder anderen Universitätslabor mag es noch ein paar Blechkollegen mit speziellen Fähigkeiten geben. Aber grundsätzlich gilt, was der Zürcher Roboterforscher Rolf Pfeifer selbstkritisch sagt: „Die Künstliche Intelligenz (KI) schlägt in Sachen Fehlprognosen sämtliche Disziplinen.“ Deshalb sind die Propheten vorsichtiger geworden: 20 Jahre werde es wohl noch dauern, bis ein humanoider Roboter mehr sei als ein Spielzeug und sich wirklich im Haushalt nützlich mache, sagen die Forscher übereinstimmend. Wir können uns also noch etwas Zeit lassen mit der Gründung von KI-Ethikkommissionen – Roboter im Haushalt, das sind vorerst relativ „dumme“ automatische Staubsauger, die schon an ein paar herumliegenden Kinderspielzeugen verzweifeln.

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