Wer glaubt, er könne mit mir rechnen, wenn es darum geht, Vorurteile gegenüber anderen Völkern zu äußern, gar auf sie einzuprügeln, der kennt mich schlecht. Zutiefst geprägt von zweitausend Jahren abendländischen Christentums, durchdrungen von den Ideen einer zweihundertjährigen europäischen Aufklärung, sind mir Begriffe wie Liebe, Verständnis und Toleranz keine Lippenbekenntnisse.

Wie sollte ich mich da an etwas beteiligen können, das trotz des modischen Etiketts "Länder-Bashing" in meinen Augen nichts anderes darstellt als einen beklagenswert atavistischen Rückfall in jene Zeiten, da der Fremde und damit der Feind bereits in der Nachbarhöhle zu Hause war?

Nein, nichts gegen andere Völker. Alles aber gegen eine Länder, ja Kontinente übergreifende Internationale von Zeitgenossen, die ungeachtet ihrer Religion, Hautfarbe oder ihres Geschlechts durch die Bank verdammenswert sind: die Lärmer.

Sie sind allgegenwärtig, und wann immer ich ihnen begegne, spüre ich, wie Europens übertünchte Höflichkeit ebenso von mir abbröckelt wie die vermeintlich so tief verwurzelte Nächstenliebe. Zutage treten Unmenschlichkeit und Nächstenhass. Wäre ich mit der Fähigkeit begabt, auf telepathischem Wege zu morden, es zöge sich eine Schneise des Schreckens rund um den Erdball. Ihre Opfer: alles Lärmer, Selbstlärmer ebenso wie Lärmverursacher und Lärmzulasser.

Damit das keine vage Selbstbezichtigung bleibt, will ich eine der möglichen Schneisen in sieben Etappen durcheilen: An Estlands schönem kiefernbestandenen Ostseestrand hätte es jenen mutterseelenallein seine kreischenden Kreise drehenden Wasser-Skooter-Fahrer erwischt, der das Schauspiel der untergehenden Sonne zu einem Höllenspektakel degradierte.

In Portugal wäre das Personal in Portos Luxushotel um jenen Kollegen verringert worden, der sich trotz meiner, des einzigen Gasts, Bitte nicht in der Lage sah, die ohrenbetäubende Musik leiser zu stellen, welche mir mein Frühstück verleidete.

In Kanada hätte es die unseligen Campground-Nachbarn erwischt, die mitten im Urwald der Rockies zum Abendessen nicht auf ein laut aufgedrehtes Fernseh-Programm mit viel Werbung verzichten können.

In Indonesien wären jene Muezzins verstummt, welche bereits um vier Uhr nachts, bei völliger Dunkelheit also, ihre schauderhaften Tonanlagen aufzudrehen pflegen, um ihrem Gott den Schlaf ihrer Mitmenschen zu opfern.