Magnet

Gerade jetzt weilen unsere Gedanken in Italien. Unsere Erinnerungen lassen eine alte Ferienliebe wieder auflodern. Großväter erzählen ihren Enkeln von der ersten Fahrt mit der Isetta nach Jesolo, Großmütter ihren Enkelinnen vom Flirt mit dem Kellner in Caorle. Und gerade jetzt zeigt die Ausstellung Neapel – Bochum – Rimini. Arbeiten in Deutschland. Urlaub in Italien in der Zeche Hannover in Bochum, wie es damals in den fünfziger und sechziger Jahren zwischen Italienern und Deutschen war. Die einen, zwei Millionen, kamen aus dem armen Süden des Landes, um bei Bauern, auf dem Bau oder in den Bergwerken des Ruhrgebiets zu schuften. Die anderen, vier Millionen bereits 1958, suchten ihr erstes Urlaubsglück am Gardasee und an den Stränden der Adria. Zu Zeiten, als Prosecco noch nicht das deutsche Nationalgetränk war und Kinder mit Kartoffelbrei gefüttert wurden statt mit Pizza, hatten die italienischen Gastarbeiter kein leichtes Leben. Sie wurden Spaghettifresser, Makkaroni und Katzelmacher gerufen, sie lebten in Baracken, hatten kaum private Kontakte zu Deutschen. Dafür kultivierten die Gastgeber ihr Italienbild mit Liedern von der Capri-Sonne und Kinofilmen vom blauen Meer. Italien, wie man es im Urlaub lieben gelernt hatte und daheim mit Murano-Figur und illuminierter Gondel konservierte. 350 Ausstellungsstücke präsentieren ein Stück Alltagsgeschichte, hervorgekramt wurden die Erinnerungen ebenso von Deutschen wie von Italienern. Exponate von Filmplakaten (unser Bild) über Reiseanzeigen bis zu Schallplatten und vielen Fotoalben spiegeln die Italienliebe, Leihgaben vom Arbeitskontrakt über die Vespa bis hin zu den Schlafsocken, die eine sizilianische mamma ihrem Sprössling ins kalte Deutschland mitgab, erzählen von einer nicht immer nur sonnigen Beziehung.

»Neapel – Bochum – Rimini. Arbeiten in Deutschland. Urlaub in Italien«. Bis 26. Oktober. Westfälisches Industriemuseum Zeche Hannover, Günnigfelder Straße 251, Bochum-Hordel. Geöffnet sonntags 11 bis 18 Uhr, dienstags 17 bis 20 Uhr, Eintritt: frei. Der Katalog (Klartext-Verlag, Essen) kostet 14,90 Euro. Information: Tel.0231/961233,www.zeche-hannover.de

 
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