Das mag bei den ersten Solarzellen so gewesen sein, aber schon lange gehört diese oft wiederholte Behauptung ins Reich der Legenden. Die Amortisationszeit – also die Zeit, die eine Solarzelle Strom liefern muss, um die in ihre Produktion gesteckte Energie wieder zurückzuliefern – variiert je nach Typ des Elements und natürlich auch nach dem Aufstellungsort. Wo die Sonne kräftiger scheint, liefert die Solarzelle mehr Strom. Man kann aber grob sagen, dass zwischen zwei und sechs Jahren verstreichen, bis sich die Investition energetisch rechnet.

Die zweite wichtige Zahl in diesem Zusammenhang ist der so genannte Erntefaktor: Bei dem berücksichtigt man die Lebensdauer der Solarzelle und rechnet aus, das Wievielfache der zur Produktion nötigen Energie insgesamt gewonnen wird. Bei Solarzellen liegt dieser Faktor zwischen 5 und 20. Thermische Sonnenkollektoren erreichen höhere Erntefaktoren, bei Windkraftanlagen kann der Wert bei steifer Brise bis zu 90 betragen.

Und wie ist es mit anderen Energieträgern? Atomkraftwerke erreichen einen Erntefaktor von 100, für Kohlekraftwerke habe ich die Zahl 60 gefunden. Diese Energiebilanz ist natürlich keine Umweltbilanz – während bei regenerativen Energieerzeugern nach der Produktion der Strom sozusagen "kostenlos" fließt, braucht ein Kohle- oder Gaskraftwerk ständig Nachschub an fossilen Brennstoffen und stößt mit jeder Kilowattstunde auch CO2 in die Atmosphäre aus.

Dass nicht mehr Strom mit Solarzellen produziert wird, hat wenig mit der Energiebilanz zu tun – es liegt hauptsächlich daran, dass sie im Vergleich mit anderen Arten der Energieerzeugung sehr teuer sind. Christoph Drösser

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