Die Umkehrung der Koalitionen bedurfte im 18. Jahrhundert kunstvoller diplomatischer Pirouetten. Heute ist man weniger umständlich. Im Irak nahmen amerikanische GIs Anfang Juli türkische Soldaten fest, weil die angeblich einen Anschlag auf einen kurdischen Bürgermeister geplant hatten. Die Beziehungen zwischen Ankara und Washington waren schockgefroren. Nun bitten die Amerikaner die Türken, eine Friedenstruppe von mehreren Tausend Mann in den Irak zu schicken. Woher auf einmal das Tauwetter?

Beide Seiten plagt die schiere Not: Das US-Militär sucht nach Verbündeten, die helfen könnten, den beginnenden Guerillakrieg im Irak einzudämmen. Zur Diskussion stehen viele Staaten: die nicht so Willigen und die nicht so Fähigen. Ein herber Schlag für Washington war jüngst die Absage Indiens. Die Türkei hingegen will, koste es, was es wolle, im Irak patrouillieren: um die siegestrunkenen irakischen Kurden zu observieren und um den rund 5000 türkisch-kurdischen PKK-Kämpfern im Nordirak das explosive Handwerk zu legen.

Bleibt nur noch zu klären, wo die türkischen Assistenztruppen zum Einsatz kommen. Bei den Kurden? Da brauchen die USA sie nicht. Also in Bagdad, im brandgefährlichen sunnitischen Dreieck, vielleicht noch südlicher, bei den Schiiten. Derweil könnte es den Türken auch recht sein, die Jagd auf die PKK den Amerikanern zu überlassen. Nach monatelangen Raufereien um den Irak entdecken Amerikaner und Türken vielleicht sogar gemeinsame Interessen: dass der Irak von Guerillakämpfern befreit werde und am Ende nicht zerbreche.