Es könnte so einfach sein: das Diplom in der Tasche und dann vom Hörsaal ab in die Chefetage, ohne Umwege, ohne eigene Geschäftsidee, ohne Business-Plan. Bis zu 100000 kleine und mittelständische Unternehmen suchen jährlich einen Nachfolger – vom Blumenladen um die Ecke bis zum international tätigen Lampenhersteller mit mehreren hundert Mitarbeitern. Und die finden den Juniorchef oder die Juniorchefin immer seltener in der Familie des Firmengründers. Etwa die Hälfte der Betriebe, so aktuelle Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) an der Uni Mannheim, werden an externe Nachfolger gehen. Doch die zögern.

"Das Interesse an einer Nachfolge geht gegen null", sagt der Geschäftsführer der Gründerinitiative dresden exists an der TU Dresden, Konrad Stransky. "Die Studenten wollen sich nicht mit etwas Altem herumschlagen und sich ständig reinreden lassen." Ähnliche Erfahrungen hat auch Winfried Huck, Professor für Wirtschaftsrecht an der FH Braunschweig-Wolfenbüttel, gemacht: Bei einer Umfrage unter 4000 Studenten der Hochschule bekundeten lediglich drei Prozent Interesse an einer Betriebsübernahme. Kleine und mittelständische Unternehmen gelten bei Hochschulabsolventen nicht gerade als attraktiv. Der Einstieg in einen Großkonzern erscheint vielen erstrebenswerter.

Viele machen keinen Cent Gewinn

Das hat auch Eva Adam beobachtet, die an der FH Esslingen die Gründerinitiative contact-as leitet. Wenn sie den Mut zur Selbstständigkeit finden, gründen Absolventen lieber selbst. "Die wollen sich mit ihren eigenen Vorstellungen selbstständig machen", sagt Winfried Huck, "das erscheint vielen überschaubarer, auch finanziell." Denn oftmals ist erhebliches Eigenkapital notwendig, um sich in einen bestehenden Betrieb einzukaufen. Und davor schrecken die meisten zurück. Oft wissen sie nicht, dass es dafür ebenso Fördergelder gibt wie für Existenzgründungen. Hinzu kommen bürokratische Hindernisse. So darf beispielsweise ein Diplomelektrotechniker keinen Elektrobetrieb übernehmen, weil er nicht in die Handwerksrolle eingetragen ist.

Und wer hat schon Lust, sich andauernd von Banken vertrösten und gängeln zu lassen: Viele kleinere und mittelständische Betriebe schrammen seit Jahren knapp an der Insolvenz vorbei, mehr als jede dritte Firma hat überhaupt kein Eigenkapital, ebenso viele erwirtschaften keinen einzigen Cent Gewinn. Und die konjunkturellen Aussichten sind gerade für diese Unternehmen eher düster. Ein Einstieg erscheint vielen jungen Leuten daher zu riskant, zu beschwerlich und schließlich auch noch zu wenig rentabel.

Tatsächlich ist jede Unternehmensnachfolge "schwierig und langwierig", sagt Birgit Buschmann, Geschäftsführerin des IfM an der Universität Mannheim. Nur jede zehnte Übernahme durch einen externen Nachfolger verlaufe problemlos. "Hier ist Moderation von außen notwendig", so Buschmann, "auch durch die Hochschulen."

Die hätten das Thema Unternehmensnachfolge bislang vernachlässigt, findet auch Eva Adam, sie könnten hier viel mehr Verantwortung übernehmen. Immerhin sitzen sie an der Quelle: Jedes Jahr verlassen Tausende gut ausgebildeter Techniker und Betriebswirte die Unis – alles potenzielle Nachfolger. Aber kaum ein 25-jähriger Betriebswirtschaftler fühlt sich reif, einen traditionsreichen Familienbetrieb zu übernehmen. Die Jungen werden auch nicht unbedingt ernst genommen, weder vom Firmengründer noch von den Mitarbeitern. Da sei es wichtig, den Studenten Selbstvertrauen zu vermitteln gegenüber den Banken und den Mitarbeitern, ihnen unternehmerische Kompetenzen zu verschaffen, ihnen die Angst zu nehmen, sie könnten sich als Nachfolger übernehmen.

Wenn eine Übernahme rechtzeitig vorbereitet wird, wenn etwa Studenten Praktika im Betrieb machen, wenn sie durch Coaching langsam herangeführt werden an die Aufgabe und sich so ein gleitender Übergang von der Uni in den Betrieb schaffen lässt, kann es klappen, davon ist Winfried Huck überzeugt.