Vom Rustical zum Germanical. Das muss ja so kommen, wenn jemand sein satirisches Messer so gern an Mythen wetzt, wie Manfred O. Tauchen es tut.

Also: Wer kann sich nicht erinnern an Der Watzmann ruft!? Lang ist's her, dass dieser genialische Brettl-Blödsinn von Tauchen und Wolfgang Ambros Kult wurde. 1978 war's, die Republik surfte auf der Neuen Deutschen Welle, und Kraftwerk nahm mit Trans Europa Express das Techno-Zeitalter vorweg. Nun nimmt Tauchen gemeinsam mit Alexander Liegl und Gabi Rothmüller im Münchner Lustspielhaus den Nibelungen-Mythos aufs Korn: Siegfried - Götterschweiß und Heldenblut. Wild treiben es da die Germanen, sie entjungfern Walküren und baden in Drachenblut. Auch die Machenschaften des Zwergenkönigs Alberich verlangen vom Publikum starke Nerven. Mittendrin Siggi, ein "Röntgenbild von einem Helden", gespielt vom stimmgewaltigen, preisgekrönten Severin Groebner.

Im Trockeneisnebel auf der Bühne sehen wir ganz klar: Vergesst in diesem Sommer das Bayreuther Festspielhaus (mit Jürgen Flimms Ring) - auf ins Münchner Lustspielhaus zu Tauchens Siegfried. Germanisch wabernder Wahnsinn.

Göttlich!