Während am Horn von Afrika deutsche Kanonenboote schaukeln, sitzt in Kiel Käpt’n Brummel (unter Freunden auch Beau Brummel genannt) und schreibt an seine Braut, den Obermaat Schulz. "Schnuckelchen", schreibt er, "Du weißt, wie sehr ich mich auf unsere Hochzeit freue und wie dankbar ich der Regierung bin, dass sie unsere Ehe möglich macht; aber wenn Schröder sein schlechtes Gewissen gegenüber den Amerikanern weiterhin durch den Einsatz der deutschen Flotte kompensiert, sehe ich für den Trauungstermin schwarz. Wahrscheinlich wirst Du nächstes Jahr immer noch vor der afrikanischen Küste liegen, und ich sitze in Kiel, gucke aus dem Fenster und weiß schon gar nicht mehr, wie Du aussiehst!"

Da aber die Augen, die Brummel in die Ferne schweifen lässt, einige Grad und wenige Minuten zu weit nach Osten gerichtet sind, würde die Blickachse, zöge man sie über die Weltkarte, keineswegs zu Schulzens Fregatte im Indischen Ozean führen, sondern zu einem anderen Ort, wo ebenfalls ein einsamer Briefsteller sitzt. Es ist, in seinem Kellerloch, Oberst Hussein, der an seine große Liebe schreibt, das irakische Volk. „Schnuckelchen“, schreibt er, „Du weißt, wie sehr ich mich auf unsere Hochzeit gefreut habe, die nach dem heiligen Glauben der Baath-Partei nur als großer Krieg vollzogen werden kann. Aber wenn Du weiterhin so passiv mit den Amerikanern umgehst, sehe ich für unsere Trauung schwarz. Wahrscheinlich wirst Du nächstes Jahr noch immer auf eine Übergangsregierung warten, und ich sitze in meinem Kellerloch und weiß schon gar nicht mehr, wie niedlich Du im Kampfanzug ausgesehen hast!“

Es liegt eine große Tragik in der Weltgeschichte. Sie besteht darin, dass die, welche durch gemeinsames Schicksal und Sehnen zusammengehören, zueinander nicht finden. Brummel wird weiter seinem Maat nachhängen und Hussein seinem feigen Volk, und keiner von beiden wird auch nur ahnen, wie glücklich sie werden könnten, wenn ihre Wahlverwandtschaft offenbar würde. Nur wenn die Regierung Schröder den Mut fände, die Amerikaner offen zu unterstützen, wenn sie Militär, darunter vielleicht den Kieler Fregattenkapitän, nach Bagdad schickte, wenn dieser dort, zufällig stolpernd, in ein Kellerloch stürzte und mit liebenden Armen den halb verhungerten Hussein – nur dann – aber selbst das wäre nur im Roman möglich, und auch den schreibt niemand. Darum ist mit dem Glück auf dieser Welt

Finis