Wer abends aus Vietnam oder Thailand nach Kambodscha kommt, aus der gleißenden Boom-Stadt Saigon oder der ausufernden Metropole Bangkok, der fliegt ins Dunkel, in ein Land fast ohne Licht. Unten, am Boden, tanzen hier und da ein paar helle Flecken.

Sonst herrscht Düsternis. Selbst Phnom Penh, der Hauptstadt, fehlt das Licht. Am Monivong- oder am Sihanouk-Boulevard stehen Lampen, am Sisowath-Kai drängt es aus teuren Bars und Restaurants. Aber in den Seitenstraßen bleibt es auch in Phnom Penh finster.

Wie in Schwarzafrika, urteilen Entwicklungshelfer über die Dunkelheit Kambodschas. Wie in Schwarzafrika, sagen die Experten auch beim Blick auf die Statistik. Eingeklemmt zwischen den Wirtschaftswundernationen Thailand und Vietnam, ist Kambodscha eines der ärmsten Länder Asiens. Auf dem Entwicklungsindex der UN steht es auf Rang 130, 175 Staaten sind insgesamt verzeichnet.

Dabei hat Kambodscha seit 1992 so viel Hilfe erhalten wie kaum eine andere arme Nation der Erde. Über eine halbe Milliarde Dollar jedes Jahr. Dazu sind Tausende Helfer aus dem reichen Ausland in seine Städte und Dörfer geströmt. Wahrscheinlich gibt es, bezogen auf die Bevölkerung, nirgendwo sonst so viele Menschen, die Gutes tun wollen wie in diesem Land.

Was sie in Afghanistan erst seit kurzem probieren, versuchen die Vereinten Nationen und andere Entwicklungsorganisationen in Kambodscha seit elf Jahren: einen zerstörten Staat wieder zum Leben zu erwecken. Nation-building heißt das, und wirklich weit sind sie bislang nicht gekommen. Einerseits.

Andererseits kann sich Kambodscha heute anders als noch vor fünf Jahren selbst ernähren, wird es am Sonntag die dritten Parlamentswahlen geben – in einem Land, das 30 Jahre Bürgerkrieg hinter sich hat und in dem erst seit 1998 wirklicher Friede herrscht.