Und wenn die schreckliche, die wachstumslose Zeit endlich zu Ende ginge? Im Mai schreckte noch die Nachricht, dass die deutsche Wirtschaft schrumpft, Deflationsängste gingen um, die Arbeitslosenzahlen stiegen. Nun regt sich Optimismus. Zweimal hintereinander hat sich der Geschäftsklima-Index des Münchner ifo-Instituts zuletzt verbessert, die befragten Unternehmer schätzen sowohl die Lage als auch die Erwartungen für das bevorstehende Halbjahr günstiger ein. Die siebte Verbesserung in Folge zeigt gar der Index, für den das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Erwartungen von Analysten und institutionellen Investoren abfragt. Selbst der Konsumklima-Index steigt wieder, nachdem er acht Monate lang ununterbrochen fiel. Der konjunkturelle Tiefpunkt, so scheint es, ist erreicht.

Also wird es wieder nichts mit dem Aufschwung? Wenn sich die professionellen Prognostiker nicht einig sind, dann helfen vielleicht ein paar Faustregeln weiter. Die Aktivitäten in der Luftfracht scheinen der Wirtschaftsentwicklung immer um ein paar Monate vorauszueilen; leider rechnet Lufthansa Cargo für dieses Jahr mit sinkenden Umsätzen. Börsengurus schwören darauf, dass auf eine Hausse der Aktienkurse spätestens nach neun Monaten ein Aufschwung folgt. Das sieht nicht schlecht aus, erfordert aber Geduld. Die verführerischste aller Regeln sagt: Je kürzer die Röcke, desto größer der Konjunkturoptimismus. Da ist zurzeit wohl eher die Hitze als die Zuversicht der Vater der Minis.

Solider ist der Blick auf die Antriebskräfte der Wirtschaft. In Deutschland war das in den vergangenen Jahren stets das Geschäft mit dem Ausland. Doch jetzt macht der teure Euro den Exporteuren einen Strich durch die Rechnung. Er ist heute um rund ein Viertel teurer als vor einem Jahr, deutsche Produkte sind damit in den USA und überall dort, wo amerikanische Konkurrenz antritt, entsprechend schwerer zu verkaufen. Nach der Frühsommer-Umfrage unter seinen Mitgliedern beschrieb der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) das so: „Die abgeflachte Weltkonjunktur sowie der rasante Anstieg des Euro-Außenwertes nehmen vielen Exporteuren die Luft zum Atmen.“

Seit Monaten klagt die Industrie über rückläufige Auftragseingänge aus dem Ausland. Betroffen sind vor allem Maschinen und Anlagen, die traditionellen Devisenbringer des deutschen Außenhandels. Kein Wunder, dass das IWH zu dem Schluss kommt: "Die Außenwirtschaft trägt nicht – wie sonst üblich – zum Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion in Deutschland bei." Manche Experten gehen sogar davon aus, dass der Außenhandel das Wachstum im zweiten Quartal 2003 gebremst hat, auch wenn die Zahlen noch nicht vorliegen.

Auch die Investitionen sind zu schwach, um den Ausfall bei den Exporten auszugleichen. Normalerweise stockt die Industrie bei einsetzender Erholung der Konjunktur ihre Lager auf. Davon ist bisher nichts zu spüren. Ausrüstungsinvestitionen, ohnehin seit zwei Jahren auf sehr bescheidenem Niveau, sind auch kein Aktivposten. Allenfalls ein gewisser Erneuerungsbedarf bei Maschinen und Fahrzeugen wird geordert. Die Produktionskapazitäten sind nicht ausgelastet, sodass selbst die niedrigsten Zinsen seit 50 Jahren kaum zu zusätzlichen Investitionen führen. "Die Investitionen bleiben im Keller", schloss der DIHK aus seiner Umfrage.

Das Blatt könnte sich wenden, wenn die amerikanische Wirtschaft wieder so stark wächst, dass sie weltweit zum Motor für die Konjunktur wird. Zurzeit ist Amerikas Wachstumsrate von gut zwei Prozent für 2003 nicht stark genug, um andere lahme Volkswirtschaften mitzureißen. Aber nach dem Irak-Krieg stehen die Zeichen in den USA wieder auf Aufschwung. Die Politik hilft tüchtig nach: Allein für das laufende Jahr werden Steuerentlastungen von gut 60 Milliarden Dollar wirksam.

Dazu kommen der billige Dollar und extrem niedrige Zinsen. Von 6,5 Prozent Anfang 2001 bis auf ein Prozent seit Ende Juni drückte die amerikanische Notenbank die Zinsen, um die Konjunktur anzuschieben. Auch Wall Street sorgt für gute Laune unter den Anlegern. Und wenn die Kurse steigen, steigt die Konsumlust der Amerikaner. "Empirisch ist festgestellt worden", sagt Michael Schröder vom ZEW, "dass jeder Dollar, um den das Aktienvermögen sich erhöht, in den USA eine Konsumsteigerung um vier bis neun Cent zur Folge hat."

Aber auch hierzulande gibt es überraschende Signale von den Verbrauchern – der Einzelhandel meldet wachsende Umsätze. Das ist noch kein neuer Kaufrausch, aber dass die längeren Öffnungszeiten am Samstag die Geschäfte in den Stadtzentren füllen, hatte niemand erwartet. Das Geld sitzt wieder lockerer. Oder, ökonomisch formuliert: Die Sparquote geht zurück. Und das, obwohl die Haushalte kaum über höhere Einkommen verfügen können.