Krankenakte.

Aserbajdschans Präsident Hejdar Alijew behält seine Nachfolge im Blick. Grund genug hat er, nachdem die Krankenakte des 80-Jährigen an die Länge seiner politischen Biografie heranreicht. Der frühere Statthalter der sowjetischen Kommunisten, der im Oktober 1993 mit dem Wahlslogan "Ich gebe euch, was ihr wollt" die Macht in Baku zurückeroberte, verbringt seine Dienstreisen zumeist in ausländischen Krankenhäusern. Die Prostata-Operation in den USA hatte eine Oppositionszeitung mit den Worten kommentiert: "Wir verlieren ihn stückchenweise."

Im April fiel der Präsident bei der Live-Übertragung einer Ansprache gleich zweimal in Ohnmacht und wurde später zur Behandlung nach Istanbul überführt.

Doch vorerst möchte Alijew dem Land mit seinen geschätzten Öleinnahmen von mehr als 50 Milliarden Dollar jährlich noch ein Weilchen erhalten bleiben. Am Samstag meldete er seine erneute Kandidatur zur Präsidentenwahl im Oktober an - aus einem türkischen Krankenbett. Immerhin fördert der Familienmensch zugleich einen weiteren Präsidentschaftskandidaten: seinen Sohn Ilcham, der als Vizechef des staatlichen Ölkonsortiums mit Schmiermitteln jeder Art bestens vertraut ist. Auf seiner Website eröffnete Ilcham dem aserbajdschanischen Volk sogleich ein Geheimnis, auf dass es sich um die Zukunft überhaupt keine Sorgen mehr mache: Der wahre Nachfolger Alijews sei doch Ilchams Sohn, der Enkel des Präsidenten.

Knöllchen-Streik.

Ach, die Gewerkschaften. Früher mal ein starker Arm, heute ein ziemlich kläglicher Haufen. Eine Imagekampagne wäre nicht schlecht - oder ein "Knöllchen-Streik". Weil den Polizisten genau wie allen anderen Beamten in vielen Bundesländern nun das Urlaubs- und Weihnachtsgeld gekürzt werden soll, hat der Geschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Hamburg, Jürgen Lamp, damit gedroht, seine Kollegen könnten einen Tag lang darauf verzichten, Strafzettel zu verteilen. Aber was heißt hier gedroht? Die Hamburger würden sich bedanken, jedenfalls die Falschparker unter ihnen. Die Polizeigewerkschaft, dein Freund und Helfer! Nur Bernhard Witthaut, stellvertretender Bundesvorsitzender der GdP, könnte den PR-Coup der Hamburger Kollegen noch durchkreuzen. Auch er droht mit außergewöhnlichen Protesten. Ein Unfall auf der Autobahn, so Witthaut, müsse sehr genau protokolliert werden: "Da kann die Straße leicht mal zwei, drei Stunden dicht sein." Die Gewerkschaften als Blockierer? Nicht doch.