Während der ersten 16 Jahre seines Lebens wäre es Lars Schmidt-Heikamp nicht eingefallen, jemanden mit "Glückauf" zu begrüßen. "Guten Tag", hat er gesagt, "Hallo" oder "Hi". Wie man das eben so macht. Heute ist Lars Schmidt-Heikamp Auszubildender der Deutschen Steinkohle AG (DSK) in Bottrop - "auf dem Bergwerk" Prosper-Haniel, wie man im Ruhrgebiet sagt. Und zur Begrüßung ruft er: "Glückauf!" Wie man das eben so macht unter Bergleuten.

Dabei bezeichnet sich der 18-Jährige nicht als Bergmann. Er sei "Mechatroniker in der Ausbildung", sagt er und erklärt dann, was es mit diesem Wort auf sich hat: Der Mechatroniker sei eine Kombination aus Elektriker und Mechaniker. Kurze Pause. "Damit ist man flexibler als ein reiner Elektriker."

Es klingt leidenschaftslos, wenn der Lehrling über seinen Beruf spricht, über seine Ziele und seine Zukunft. Auf ein so großes Wort wie Tradition verzichtet er, obwohl er aus einer Stadt kommt, die eineinhalb Jahrhunderte lang vom Bergbau gelebt hat. Eher sagt er Sätze wie: "Als ich noch zur Schule ging, wusste ich nicht mal, dass es hier noch Bergbau gibt." Niemand aus seiner Familie habe im Bergbau gearbeitet, erwähnt er noch kurz. Dann ist Schluss mit dem Nachdenken über früher. "Aus meiner Abschlussklasse war ich einer der wenigen, die überhaupt eine Stelle bekommen haben", sagt der Azubi stattdessen. Und: "Die DSK hat hier einen sehr guten Ruf."

Die Bewerberzahlen geben ihm Recht. Bewarben sich vor zwei Jahren noch 3400 Jugendliche bei der DSK, waren es in diesem Jahr bereits 5300, die um 850 neue Ausbildungsplätze für angehende Energieelektroniker, Industriemechaniker oder eben Mechatroniker konkurrierten. Sie drängen in eine Industrie, der seit Jahrzehnten das Aus vorhergesagt wird. Das muss damit zu tun haben, dass dieser Generation das Gefühl von Sicherheit ohnehin fremd ist. "Die Garantie, übernommen zu werden, hast du heute nirgendwo mehr", sagt Lars Schmidt-Heikamp.

Deshalb spricht er viel von der soliden Ausbildung, die er bei der DSK bekomme. Davon, dass er vielleicht noch studieren werde, schließlich habe er Fachabitur, wenn er hier fertig sei. Vielleicht wolle er dann auch in eine andere Industrie wechseln. Als Mechatroniker stehe ihm alles offen, sagt er und klingt dabei nicht wie einer, der am Bergbau hängt. Eher wie einer, der irgendwie durchkommen will durch diese Zeiten, in denen kaum ein Arbeitsplatz sicher ist. Und der deshalb die nächsten Jahre "Glückauf" sagen wird, wenn er auf den Fluren von Prosper-Haniel jemandem begegnet.