Neue Operationsmethoden

Der Trend zum kleinen Schnitt

Ein gerader Schnitt, vom Schlüsselbein bis hinunter zum unteren Ende des Brustbeins – das ist der klassische Zugang der Chirurgen zum darunter liegenden Herzen. So werden noch immer die meisten Herzoperationen durchgeführt. Erst sechs Wochen danach können die Patienten wieder auf dem Bauch schlafen – vorher schmerzt es zu sehr.

Mit rund 70000 Eingriffen ist die Umgehung (Bypass) verengter Herzkranzgefäße die häufigste Herzoperation. In unkomplizierten Fällen reicht der Schnitt unter der linken Brustwarze. Zwischen den Rippen arbeiten sich die Chirurgen zu den geschädigten Gefäßen vor. Lange Zeit verpflanzten die Chirurgen nur Venen aus den Beinen der Patienten. Günstiger sind indes Arterien, die an der Innenwand des Brustkorbs entlanglaufen. Diese werden abgelöst und an das verstopfte Herzkranzgefäß angeschlossen. Immer mehr Chirurgen verzichten zusätzlich auf die Herz-Lungen-Maschine. Das ist besonders für alte oder sehr gebrechliche Menschen günstig – denn sie erleiden an der Herz-Lungen-Maschine offenbar häufiger Schlaganfälle.

Die Arteriosklerose schädigt nicht nur die Herzkranzgefäße, sondern auch die Herzklappen. Besonders häufig ist die Aortenklappe betroffen. Der Austausch ist die zweithäufigste Herzoperation. Das Ventil ist für den richtigen Fluss des Blutes aus der Lunge in den Körperkreislauf zuständig. Für einen Aortenklappenersatz muss meistens nicht mehr das ganze Brustbein durchtrennt werden, das obere Drittel reicht. Der Brustkorb bleibt stabil, und die Patienten sind nach der Operation viel beweglicher. Jenaer Kardiologen versuchen am Tier bereits experimentell, Aortenklappen per Katheter auszutauschen.

Manche Menschen haben von Geburt an ein Loch in der Scheidewand zwischen den beiden Herzvorhöfen. Mit einem kleinen Schnitt auf der rechten Brustkorbseite gelangen die Chirurgen zu diesem Loch und flicken es entweder mit einem Stück aus dem Herzbeutel, oder sie nähen es einfach zu.

Eigentlich sehen die Herzchirurgen kaum noch Patienten mit solchen Löchern. Diesen Herzfehler behandeln inzwischen fast ausschließlich die Kardiologen. Mit einem Katheter schieben sie von der Leiste aus über ein Blutgefäß einen zusammengefalteten Kunststoffschirm bis zum Loch und spannen ihn dort auf. Manchmal ist der Spalt aber zu groß, oder die Verbindung liegt so nah an anderen Strukturen, dass der Plastikflicken keinen Halt findet. Dann müssen die Herzchirurgen ran und die Verbindung mit ein paar Stichen nähen.

Von der rechten Seite der Brust aus greifen die Chirurgen auch auf eine andere Herzklappe zu. Die Mitralklappe reguliert den Blutfluss zwischen der linken Herzkammer und dem linken Herzvorhof. Auch sie ist häufig durch Arteriosklerose in Mitleidenschaft gezogen. Die Herzchirurgen tauschen dieses filigrane Ventil meistens nicht aus, sondern reparieren es in 70 Prozent der Fälle. Durch die schonenderen Schnitte konnte die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus im Schnitt von 11,5 auf 9,1 Tage reduziert werden. Roboter-Eingriffe an diesen Klappen werden getestet.

Bypass-Operationen mit einem Roboter sind selten. Weltweit kommen erst 115 Robotersyteme vom Typ da Vinci am Herzen zum Einsatz. Nur eine Hand voll Chirurgen verzichtet dabei auch noch auf die Herz-Lungen-Maschine. hal

 
  • Quelle (c) DIE ZEIT 24.07.2003 Nr.31
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  • Schlagworte Medizin | Chirurgie
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