Es ist so weit. Ghaddafi greift an. In Italien. Nein, es handelt sich nicht um eine kriegerische Konterattacke des kapriziösen libyschen Diktators als Revanche für die italienische Invasion seines Landes im Zweiten Weltkrieg. Der Eroberer heißt mit Vornamen Saadi und ist der jüngste Sohn Muammar al-Ghaddafis. Und er will auch nicht das Völkerrecht mit Füßen treten, sondern den Ball. Der Erstligist AC Perugia hat ihn als Stürmer angeheuert. Saadi hält sich nämlich allen Ernstes für einen Profifußballer der Extraklasse. In der libyschen Liga hat die "totale Null" - so der italienische Extrainer des Nationalteams Libyens - zwar Tore am Fließband geschossen, aber dort war es gegnerischen Verteidigern auch nicht angeraten, Papas Junior allzu hart ranzunehmen.

Jetzt aber wollen die Ghaddafis aller Welt zeigen, wie friedfertig und modern sie sind. Der Clanchef ließ kürzlich seinen "Volkskongress" verkünden, der Sozialismus sei passé und Libyen ab sofort eine freie Marktwirtschaft. Seine Söhne Saif und Saadi tummeln sich schon mal auf europäischen Märkten. Geld ist vorhanden. 7,5 Prozent des Fußballclubs Juventus Turin gehören dem Sprössling des Revolutionsführers bereits. Was sucht er bloß in der Kickerbranche? Saadi würde zu gern die WM 2010 in den Exschurkenstaat holen - als Krönung der Charmeoffensive, mit der die libysche Despotie ihre (vergangene?) Karriere als Terrorismus-Sponsor vergessen machen will.