Was haben sie getönt, die so genannten Reformer der IG Metall: Ein "Neuanfang" müsse her, "personell" und "inhaltlich", mit dem bisherigen Vize und designierten Chef sei er "nicht möglich", Jürgen Peters müsse deshalb "weg". So schallte es von Nord (Frank Teichmüller, Bezirksleiter Küste) bis Süd (Werner Neugebauer, Bezirksleiter Bayern), von Ost (Sieghard Bender, Bevollmächtigter Chemnitz) bis West (Klaus Franz, Betriebsrat Opel).

Und was waren sie still, diese Reformer, als es ans Eingemachte ging: an die Frage, wer gegen Jürgen Peters kandidieren, wer den Kopf und das Herz der Delegierten gewinnen soll, die Ende August über den nächsten Vorsitzenden der IG Metall entscheiden werden. Da fand sich keiner. Da schwiegen die Bezirksleiter und Betriebsräte. So endete das Chaos, das mit dem verlorenen Streik in Ostdeutschland begann, mit der Niederlage jener, die von dieser Niederlage hätten profitieren können - den "Reformern" und den "Modernisierern" der Metallgewerkschaft.

Jetzt also wieder das Tandem: Jürgen Peters im Sattel, Berthold Huber auf dem Sozius. Angeblich hat sich der designierte Vize, der bis vor kurzem nicht mehr mochte, dafür, dass er jetzt wieder will, von seinem möglichen Chef einiges ausbedungen: etwa die Zuständigkeit für die Tarifpolitik, aber auch das Zugeständnis, dass alle politischen und personellen Fragen "im Konsens" entschieden werden sollen. Diese Verabredung sei "belastbar", sagt ein Metaller aus Hubers Umkreis, und "immerhin etwas".

Aber was genau? Vor seiner Entscheidung, nicht gegen Peters anzutreten, habe Huber gerechnet, hört man. Dabei habe er herausbekommen, dass der Gewinner der Wahl vielleicht nur 60 Prozent der Delegierten hätte hinter sich sammeln können. Das aber sei ihm, Huber, zu wenig gewesen, um die Gräben zwischen den Flügeln in der IG Metall wieder zuzuschütten. "Das hätte uns im Gegenteil noch tiefer in den Graben hineingefahren", wird er von einem Vertrauten zitiert.

Nur: Die Gräben sind da - und werden nicht schon dadurch weniger tief, dass sich zwei ansonsten in herzlicher Abneigung verbundene Flügelkämpfer über ihnen die Hand reichen und Konsens verabreden. Die IG Metall ist in zwei Lager gespalten und hat sich bislang nicht entschieden, welches Lager für ihre Zukunft die besseren Antworten hat - in der Sozialpolitik, in der Tarifpolitik, in der Frage, wie man neue Mitglieder bekommen will. Wer deshalb jetzt wie Peters und Huber "die Geschlossenheit der Kampforganisation Gewerkschaft" über alles andere stelle, der "verordnet Einheit, der erringt sie nicht", sagt ein altgedienter Funktionär aus der Frankfurter IG-Metall-Zentrale.

Die Konsequenz einer Wahl des Tandems wären "vier verlorene Jahre", meint ein Reformer, dessen Name weder als möglicher Peters-Gegner noch im Zusammenhang mit lauten Forderungen in den Gazetten auftauchte: verlorene Jahre beim Versuch, sich auf das 21. Jahrhundert einzustellen, beim Werben um junge, engagierte Mitglieder etwa aus dem wachsenden Dienstleistungs- und High-Tech-Sektor. "Für die ist eine strukturell konservative IG Metall wenig interessant", sagt auch Klaus Lang, die rechte Hand Klaus Zwickels.

Zwickel immerhin hat mit seinem Rücktritt die einzig mögliche Konsequenz aus seinen Niederlagen gezogen. Dem Zweierpack, das ihm jetzt nachfolgen soll, wird es mit dem von oben befohlenen Solidaritätszwang vielleicht gelingen, die Kluft in der IG Metall für einige Zeit zu verdecken. Nach wochenlangem Bruderzwist herrscht in der Gewerkschaft tiefe Ermattung. Aber eine Ruhe vor dem Aufbruch ist diese Ruhe noch nicht.