Es regnet, es regnet, die Erde bleibt trocken – so würden Klimaforscher die erste Strophe des Kinderliedes singen. Jeder Bauer kann die bizarre Beobachtung bestätigen: Obwohl in den vergangenen Tagen immer wieder Gewitterfronten über Deutschland gezogen sind, vertrocknen die Ernten. Der Grund ist nicht nur weniger Niederschlag. Auch die Qualität des Regens hat sich verändert. Der Klimawandel beschert uns Platzregen statt Nieselregen. Der vertrocknete Boden kann die Sturzbäche nicht aufnehmen. Statt den Acker zu durchnässen, strömt das Wasser wie über Asphalt in die Flüsse.

Wird ein Bundesland wie Brandenburg deshalb zur Steppe, wie es der Präsident des brandenburgischen Landesumweltamtes prophezeit? „Wer das behauptet, hat noch nie eine Steppe gesehen“, sagt Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Das künftige Klima werde eher dem Wetter im Mittelmeerraum entsprechen, „und die Toskana bezeichnet man ja auch nicht als Steppe.“ Tatsächlich gehört Brandenburg schon jetzt zu den trockensten Regionen in Deutschland. Der diesjährige Sommer ist der heißeste seit 1947.

Gerstengarbe hat vor einigen Tagen mit seinen Kollegen ein Klimaszenario für Brandenburg veröffentlicht. Darin berechnen die Forscher das Klima bis zum Jahr 2050 und schätzen die Folgen für die Landwirtschaft ab. Fazit: Bei einem mittleren Temperaturanstieg von 1,4 Grad wird es im Jahr 2050 bis zu 20 Prozent weniger regnen. Die Bauern müssen dadurch mit 7 bis 17 Prozent weniger Erträgen beim Winterweizen rechnen – wegen der längeren Vegetationsperiode aber auch mit besseren Erträgen bei der Maisernte. Außerdem können sich die Brandenburger auf abnehmende Bewölkung und eine halbe Stunde mehr Sonnenschein pro Tag einstellen.

Durch die Jahrhundertflut im vergangenen Jahr fühlen sich die Klimaforscher nur bestätigt: „Die Extreme nehmen zu,“ erklärt Gerstengarbe. Hochwasser, Dürren und Stürme treten häufiger auf. Das Wetter ist freilich nicht an allem Schuld. So wurden in DDR-Zeiten in Brandenburg 20 000 Kilometer Gräben gezogen, um Feuchtgebiete zu entwässern und nutzbar zu machen. Sie entziehen dem Boden jetzt das kostbare Nass. Die Bauern sollten die Gräben wieder zuschütten und lieber ein paar Überschwemmungen im Winter hinnehmen als Trockenheit im Sommer, rät der Potsdamer Meteorologe. Wer statt dessen aber lieber Apfelsinen und Kiwis anpflanzen möchte, könnte eine böse Überraschung erleben. Der nächste Extremwinter kommt bestimmt.

Hinweis: Bei anhaltender Wetterlage können Sie in der kommenden Ausgabe der ZEIT und bei ZEIT-Online unter /wissen ein Spezial zur aktuellen Klima-Situation nachlesen