Neulich hatte ich eine Begegnung mit einem New Yorker Polizisten, der die Aufgabe hatte, unseren "Heimatschutz" zu gewährleisten. Er musste die Ausweisdokumente all derer überprüfen, die das Gebäude der städtischen Verwaltung in Downtown Manhattan betreten wollten. Ich erlebte einen jener Augenblicke, in denen das Leben die Kunst zu imitieren scheint – eine Erfahrung, die Schriftstellern nur allzu vertraut ist.

Ich war auf dem Weg zu einem regionalen Rundfunksender, der ein Interview über einen Roman mit mir machen wollte, den ich für Jugendliche geschrieben hatte. Zufällig handelt dieses Buch von der heimtückischen Verwandlung einer öffentlichen Oberschule in einen autoritären Polizeistaat, mitsamt Metalldetektoren, Rucksackdurchsuchungen und stichprobenartigen Drogentests – kurz, mit all den kleinlichen Verletzungen der Privatsphäre und täglichen Demütigungen, die die Bildungserfahrung so vieler amerikanischer Schüler an öffentlichen Oberschulen um einiges bereichern. Mein Roman ist, das muss ich zugeben, zumindest in Teilen allegorisch, und er ist geprägt von meiner eigenen Beunruhigung angesichts der Beschneidung unserer bürgerlichen Freiheiten durch die Gesetzgebung der Bush-Regierung nach den Ereignissen vom 11. September.

Der Roman ist auch eine Reaktion auf die Verhaltensregeln, die gegenwärtig den Alltag in den USA und vor allem in New York City beherrschen, wo es für uns gewöhnliche Staatsbürger zunehmend unmöglich wird, ein Bürogebäude zu betreten, einen Freund im Krankenhaus zu besuchen oder an einer Party an einem öffentlichen Ort teilzunehmen, wenn wir nicht zweifelsfrei beweisen können, dass wir die sind, die zu sein wir behaupten. Als ich das letzte Mal meinen Verlag aufsuchte, um mich mit dem Redakteur meines Buchs zu besprechen, wurde ich nicht nur aufgefordert, mich auszuweisen, ich sollte mich auch fotografieren lassen. Die High-Tech-Kamera, eine raffinierte Maschine, die sicher so teuer war, dass man etliche New Yorker Obdachlose mit dem Geld hätte durchfüttern können, druckte mein Foto umgehend auf ein Etikett, das ich auf meine Jacke heften und während meines Aufenthalts im Haus tragen sollte.

Der Rundfunksender, den ich für das Interview aufsuchen sollte, befindet sich im 25. Stockwerk des städtischen Verwaltungsgebäudes, das eine Reihe von Ämtern beherbergt, darunter auch das Standesamt, wenn ich mich recht entsinne. Die Prozedur des Eintritts in dieses Gebäude ähnelt sehr dem, was die Schüler in meinem Roman Tag für Tag ertragen müssen, wenn sie zur Schule gehen, und was wir alle durchstehen müssen, bevor wir in einem amerikanischen Flughafen an Bord eines Flugzeugs gehen. Erst bilden wir lammfromm eine Schlange, sodass ein Polizist unsere mit Bild versehenen Ausweispapiere prüfen kann, dann legen wir unsere Handtaschen und Aktentaschen pflichtbewusst auf ein Förderband, damit es durchleuchtet werden kann. Und so weiter.

Der Polizist übte seine Pflichten sehr gewissenhaft aus. Er stellte beifällig fest, dass der Mann vor mir in derselben rein weißen, Mittelklasse-Wohngegend in Brooklyn zu Hause war wie er selbst. Und er stellte weit weniger erbaut fest, dass meine Fahrerlaubnis abgelaufen war. Leider könne er mich mit einem abgelaufenen Führerschein nicht in das Gebäude hinauflassen, sagte er. Er betonte, dass ich seinen Standpunkt doch verstehen müsse. Die Feststellung meiner Identität sei nicht ausreichend. Meine Papiere seien nicht in Ordnung.

Dachte er, es handele sich um eine Verkehrskontrolle? Glaubte er, ich hätte vor, mit dem Auto zum 25. Stock hochzufahren? Ich verkniff mir diese Fragen. Denn Menschen sind anpassungsfähige, pragmatische Geschöpfe, und die meisten Amerikaner, die ihr Flugzeug erreichen wollen, haben gelernt, dass sie den Mund halten und gehorchen sollten, wenn man sie auffordert, ihre Schuhe und Gürtel abzulegen. Sie haben sich auch daran gewöhnt, dass Sicherheitsleute ihr Gepäck durchwühlen und ihre Unterwäsche begrapschen. Sie werden nicht protestieren (so wie ich nicht protestierte), wenn sie sehen (wie ich vor einigen Monaten sah), dass ein verängstigtes siebenjähriges Mädchen durchsucht wird und mit einem elektrischen Schlagstock bedroht wird, weil es das Verbrechen begangen hat, gegen den Flughafen-Metalldetektor zu stoßen und ihn in Gang zu setzen. Wenn sie doch protestieren, wie mein Mann es tat, werden sie darüber belehrt, wie er belehrt wurde, dass solche drastischen Maßnahmen notwendig sind, weil die Terroristen demnächst kleine Mädchen als Selbstmordattentäter einsetzen werden.

Ich wollte zu meinem Radiointerview, und ich wollte pünktlich sein. Anstatt mich mit dem Polizisten anzulegen, anstatt an die Vernunft und den gesunden Menschenverstand zu appellieren, zeigte ich ihm das Autorenfoto auf der inneren Umschlagseite meines Buches. Es war ein Bild von mir, genauso wie das Foto auf meiner Fahrerlaubnis ein zwar etwas schmeichelhaftes, aber erkennbares Bild der Frau war, die vor ihm stand. Hätte es nicht selbst für den einfallsreichsten und fanatischsten Terroristen furchtbar viel Arbeit und Planung bedeutet, einen Roman zu schreiben und sich eine Fahrerlaubnis des Staates New York zu besorgen und sie dann ablaufen zu lassen, nur um sich dadurch die falsche Identität von jemandem zu verschaffen, der so hieß wie ich und so aussah wie ich?

Der Polizist winkte mich schließlich durch und ließ mich nach oben. Entweder glaubte er mir, oder er hatte keine Lust, die Schlange ungeduldiger New Yorker hinter mir länger aufzuhalten.