wetter Des einen Durst, des andern Freud

Wer an der Jahrhundertdürre verdient

Die Dauerhitze treibt den Bauern Schweiß ins Gesicht – auch Angstschweiß. Eine Milliarde Euro sollen die Ernteschäden auf Deutschlands Feldern betragen, schenkt man Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Glauben.

In Brandenburg – dem am stärksten betroffenen Bundesland – habe die Dürre fast 50 Prozent der Getreideernte dahingerafft. Der Jahrhundertflut folgte die Jahrhundertdürre. Auf Elbe, Spree und Havel sind die Pegelstände so niedrig, dass die Binnenschiffe nur mit halber Ladung fahren können. Die Transportkosten steigen.

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Deutschland Weinbauern setzen dagegen große Hoffnungen auf diesen Sommer. „Wenn alles weiter so läuft, bekommen wir einen hervorragenden Jahrgang“, sagt Hilke Nagel vom Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter. Den Reben kann die Hitze nichts anhaben, weil ihre ein bis zwei Meter tiefen Wurzeln den Regen deutlich länger speichern als Getreidewurzeln. Besonders in den älteren Weinbergen, sagt Verbandschefin Nagel. „Es ist verrückt. Die Spätburgunder-Beeren haben sich blau verfärbt. Selbst die ältesten Winzer können sich nicht erinnern, das je so früh erlebt zu haben“, sagt Winzer Bernhard Huber aus dem badischen Malterdingen.

Sonnenschein gegen Dosenpfand

Auch an den fränkischen Weinbergen hängen prächtige Trauben, sagt Andreas Oestemer, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes. Weinliebhaber bemühen schon die Jahrgangschronik: Das Jahr 2003 fällt in einem Atemzug mit 1976, 1947, 1811 oder gar 1540. Ein paar Regentage fehlen dem Wein allerdings noch, sonst enthält er zu viele Stresshormone.

Stress herrscht auch bei den Bierbrauern. „Jetzt haben wir wieder gut zu tun“, sagt Udo Franke, Sprecher der Holsten-Brauerei. Bundesweit haben die Deutschen im Juni 9,3 Prozent mehr Bier getrunken als vor einem Jahr. Noch im Februar und im März ordnete sein Chef Kurzarbeit an. Der Streit um das Dosenpfand hatte der Hamburger Brauerei das Geschäft vermasselt. „Bei einem Umsatzeinbruch von 70 Prozent im Einwegbereich sind die Erlöse mit Mehrwegprodukten nur um 43 Prozent gestiegen“, rechnet Franke vor. Da kam die Hitze gerade recht. Insgesamt verbleibt der Brauerei aber immer noch ein Rückgang von gut 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Das schöne Wetter kann weitergehen“, hofft Franke. „Es lindert ein wenig die Zwangspfand-Schmerzen.“

Ähnlich geht es den Mineralwasserabfüllern. „Das war der stärkste Juni seit Menschengedenken“, sagt Ullrich Schweitzer, Marketing-Geschäftsführer bei Hassia-Mineralbrunnen. Die Wachstumsraten liegen über 30 Prozent. Und der Anstieg ist rein wetterbedingt, weil der hessische Getränkeabfüller ohnehin nicht so sehr von der Einführung des Zwangspfandes profitiere, sagt Schweitzer. Auch das bescheidene Abschneiden des Team Gerolsteiner bei der Tour de France schadete dem gleichnamigen Unternehmen im Wassergeschäft nicht – die schwitzende Kundschaft trank im ersten Halbjahr 18 Prozent mehr aus der pfälzischen Quelle als im Vorjahr. „Wir haben einen sehr beständigen Sommer“, freut sich Willi Lahrmann, Vorstand der Genossenschaft deutscher Brunnen. Normal sind zwei Sonnenmonate, dieses Jahr haben wir schon drei“, sagt Lahrmann.

Die Wohnung entfeuchten

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