60 Sekunden für Sat.1
Es ging zu wie in der Muppet Show: Oben in der Loge zwei alte Herren, Leo und Helmut, die sich das Treiben im Orchestergraben anschauten. Leo hatte Helmut 600000 Mark versprochen, wenn er sitzen bleibe, bis der Vorhang fällt. Im Orchestergraben tobte die Sat.1-Panik-Band mit wechselnden Dirigenten.
Auftritt Kermit der Frosch, Frankfurter Bankier, der ins Publikum ruft: „Der Laden ist pleite!“ Miss Piggy schaut in die Handtasche, sie ist wirklich leer. Im Auftrag von Bernie Ecclestone knallt sie Kermit eine Ohrfeige, nur so. Das Orchester glaubt, es spiele Chopin, es handelt sich jedoch um die Fahrstuhlmusik für einen Medien-Porno. Als das Stück endet, ist Leo allein, Helmut hat sich mit seinem Geld einfach davon geschlichen.
Szenenwechsel. Wir sind im Foyer. Auftritt eines Kosmopoliten. Er will die ganze Show kaufen und hat eine Milliarde Euro dabei. „Wir können uns jetzt auf das operative Geschäft konzentrieren“, sagt Kermit der Frosch. Miss Piggys Handtasche quillt vor Schuldscheinen über.
Jahrelang hatten sich die deutschen Medienfürsten und -politiker gegen den Verkauf von Fernsehanstalten an Ausländer gewehrt. Jetzt sind sie da, unbekannte Investoren und Haim Saban, der so gut aussieht wie Omar Sharif und als sein eigener Hauptdarsteller in der nächsten Serie How to get rich without really trying auftreten will. Als Filmkomponist hatte er angefangen, die Erkennungsmelodie von Dallas ist sein Werk, sagt er. Das Orchester aber probt Sympathy for the Devil .
Michael Naumann
- Datum 07.08.2003 - 14:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 07.08.2003 Nr.33
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