Knoblauchkur

Südafrikas Regierung empfiehlt Rohkost gegen Aids

Eine gefährliche Posse findet derzeit wieder einmal in Südafrika statt. Dort ziert sich die Regierung erneut, ein lebensrettendes Medikament zu verbreiten. Auf der nationalen Aids-Konferenz, die diese Woche in Durban zu Ende geht, beschimpften Aids-Aktivisten die Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang als Mörderin.

Fünf Millionen HIV-Infizierte leben in dem Land am Kap der guten Hoffnung. Jedes Jahr werden 70000 Neugeborene von der Mutter mit dem Immunschwächevirus infiziert. Bei rund der Hälfte könnte Nevirapin eine Infektion mit HIV verhindern – wenn man es kurz vor der Geburt der infizierten Mutter gäbe. Viele Studien belegen Wirkung und Sicherheit der Therapie; die WHO hat das Mittel auf die Liste der essenziellen Medikamente gesetzt; in 70 Ländern wird es bereits verabreicht; seit 2000 verschenkt die Pharmafirma Boehringer Ingelheim Nevirapin.

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Und was sagte vor einer Woche die südafrikanische Zulassungsbehörde für Medikamente MCC? Die sechs Jahre alte Studie aus Uganda, eingereicht von Boehringer Ingelheim, „genügt nicht mehr den behördlichen Anforderungen“. In manchen Fällen wären Versuchsteilnehmer nicht richtig aufgeklärt worden, auch sei nicht nachvollziehbar, wie das Medikament gelagert wurde, und so weiter. 90 Tage hat die Firma Zeit für neue Beweise, dass Nevirapin die HIV-Übertragung von der Mutter aufs Kind reduziert – misslingt das, zieht MCC möglicherweise die Zulassung zurück. Eine Katastrophe für die Kinder.

Die Gesundheitsministerin sagt, sie habe keinen Einfluss auf die Empfehlungen der MCC. Sie wählt ihre Worte inzwischen mit Bedacht. Zu sehr ist sie wie zuvor ihr Präsident Thabo Mbeki in die Nähe obskurer Wissenschaftler geraten, die den Zusammenhang von HIV und Aids leugnen und die Aids-Medikamente für das eigentliche Übel halten. Nein, sie lehne Aids-Medikamente nicht ab, aber es gebe erschwinglichere und vielleicht sogar effektivere Substanzen, sagt Tshabalala-Msimang. Die Ministerin empfiehlt „Zitronensaft, Knoblauch, Zwiebeln, Afrikanische Kartoffel und kaltgepresstes Olivenöl“. Eine mediterrane Küche, die angeblich im Nachbarstaat Lesotho 19 von 20 Aids-Kranken wieder auf die Beine gestellt hat.

Diese Diät im Kampf gegen das HI-Virus zu empfehlen und gleichzeitig das Medikamenten-Programm auszubremsen ist zynisch. Ob Uganda oder Kenia, überall dort, wo die politische Führung entschlossen aufklärt und wissenschaftlich fundierte Therapien einsetzt, ist die Krankheit auf dem Rückzug. Der Beweis, dass jemand mit einer Zwiebel vor HIV bewahrt wurde, steht indes aus.

Harro Albrecht

 
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