Ich verdanke meinen Thron dem lieben Gott, meinem Volk, meiner Armee – und Ihnen!“ Als Schah Reza Pahlevi am 22. August 1953 nach wenigen Tagen Exil aus dem Irak nach Teheran zurückkehrte, hatte er allen Grund, dem amerikanischen Agenten Kermit Roosevelt mehr zu danken als den Iranern. Bei dem CIA-Mann waren in den Wirren der zurückliegenden acht Tage alle Fäden zusammengelaufen. Er war es gewesen, der den Sturz des iranischen Premierministers Mohammed Mossadegh koordiniert, General Fazlollah Zahedi an die politische Spitze gebracht und den Schah zum starken Mann im Land erhoben hatte.

Die „Operation Ajax“ war der erste CIA-Coup dieser Art in der Geschichte. Durch den Austausch politischer Führungsfiguren sollte das Ende einer über zwei Jahre währenden Krise herbeigeführt werden, die sich im Dreieck TeheranLondon – Washington um das iranische Öl entsponnen hatte. Die größte Furcht der Amerikaner war hierbei, dass durch diese Krise der Kommunismus im Nahen Osten Fuß fassen könnte.

Wie war es dazu gekommen? Seit seinen Anfängen im Jahr 1901 lag das iranische Ölgeschäft fest in britischer Hand. Nach einigen Jahren arbeitete die Anglo-Iranian Oil Company (AIOC) mit großem Erfolg und hohen Profiten. Der englische Staat besaß 51 Prozent der Anteile, die Raffinerie in Abadan am Persischen Golf wurde zur größten Raffinerie der Welt und zur wichtigsten britischen Investition in Übersee. Zwar war der Iran nie königliche Kolonie, gehörte aber dennoch fest zum „informellen Imperium“.

Während das Geschäft mit dem Öl boomte und AIOC und britische Regierung Millionen Pfund einstrichen, zog der Iran kaum Gewinn aus seinen Bodenschätzen. So übertrafen etwa die Einnahmen des britischen Konzerns allein aus dem Jahr 1950 die Tantiemen, die der Iran seit Beginn der Ölförderung in seinem Land insgesamt erhalten hatte. In der Abneigung gegen die europäischen Ausbeuter ihrer Bodenschätze waren sich die ansonsten recht dispersen gesellschaftlichen und politischen Kräfte im Iran einig. Im Herbst 1947 beschloss das iranische Parlament daher, mit den Briten einen neuen Vertrag zu verbesserten Konditionen zu verlangen, obschon der bestehende noch bis 1993 gültig gewesen wäre.

Es waren weltpolitisch bedeutsame Jahre. Eine globale antikoloniale Bewegung nahm das Versprechen der anglo-amerikanischen Allianz ernst, weiterhin, auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, für Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung aller Länder zu kämpfen. Allerdings: Die Briten hatten damit ihr eigenes Empire infrage gestellt. Zudem konnte nach 1945 kein Zweifel mehr daran bestehen, dass Erdöl die bedeutendste Ressource der Gegenwart und Zukunft war. Der Verbrauch stieg enorm an, auch in Friedenszeiten. Und sollte es tatsächlich einen neuerlichen Krieg geben, würden die Vereinigten Staaten nicht noch einmal den Löwenanteil der Ölversorgung aus den eigenen Quellen übernehmen können. Die Zukunft des Öls lag eindeutig im Nahen Osten: Die dortigen Reserven waren wesentlich größer und die Förderkosten deutlich niedriger als an irgendeinem anderen Ort der Welt.

Zudem war die Nachkriegszeit vom beginnenden Kalten Krieg und einer wachsenden Angst der USA vor einer Ausbreitung des Kommunismus geprägt. Im Iran als strategisch bedeutsamem Brückenkopf zwischen Europa, Asien und Afrika fürchteten sie ein Machtvakuum, das die UdSSR nur zu gern füllen würde. Schließlich hatten die Sowjets dort ihre Truppen nach dem Zweiten Weltkrieg nur widerwillig abgezogen und außerdem um eine Ölkonzession im Norden des Landes gekämpft. In den Augen amerikanischer Experten hätte der Verlust des Irans die gesamte Region gefährdet, so wie – in den Worten des späteren Außenministers Dean Acheson – „ein einziger fauler Apfel ein ganzes Fass verdarb“.

Ende 1949 gaben die kommunistische Revolution in China und der erfolgreiche erste Atombombentest der UdSSR den amerikanischen Befürchtungen weitere Nahrung. Im Frühjahr 1950 forderte ein neues Strategiepapier des Nationalen Sicherheitsrates, die USA müssten überall auf der Welt unmittelbar auf eine kommunistische Bedrohung reagieren können. Der Kalte Krieg war nun allgegenwärtig und verlangte ungewöhnliche Maßnahmen.

Als Iraner und Briten im Frühjahr 1948 die Verhandlungen über eine neue Ölkonzession begannen, zeigte sich bald, dass eine Übereinkunft kaum zu erzielen war. Mit der Arroganz von Kolonialherren demonstrierten die Briten, dass eine klare Teilung der Profite, wie von den Iranern gefordert, für sie nicht akzeptabel war. Die amerikanischen Beobachter standen dieser imperialen Attitüde ablehnend gegenüber, ja, die iranischen Forderungen stießen in Washington durchaus auf Zustimmung. So handelte der US-amerikanische Konzern Aramco im Laufe des Jahres 1950 eine beispielgebende Profitteilung mit Saudi-Arabien aus. Grundsätzlich sahen die USA in der wirtschaftlichen und sozialen Stärkung des Irans den besten und einfachsten Weg, das Land gegen Moskaus Einflussnahme zu wappnen. Und was lag hier näher, als dass der Iran endlich angemessene Einnahmen aus seinem Erdöl bekam? Andererseits war es grundsätzlich angeraten, Großbritannien zu unterstützen. Trotz seiner ökonomischen und politischen Schwäche war London immer noch der wichtigste Partner der USA im Kalten Krieg, und der Nahe Osten galt traditionell als britische Einflusszone.

Trotz des Drängens aus London will Truman keinen Militärschlag

Gegen Ende 1950 mehrten sich die warnenden Stimmen aus dem State Department und dem diplomatischen Corps: Man müsse den Freunden in London „in ihrem imperialen Sonnenuntergang“ klar machen, dass es im Iran um mehr ging als um das britische Ölgeschäft. Die Angelegenheit sei Teil eines schwierigen Konfliktes von weltpolitischer Bedeutung. Wenn sich die britische Verhandlungsführung nicht grundlegend ändere, dann sei eine Nationalisierung der Ölindustrie durch die Iraner und somit der völlige Verlust der britischen Position nicht mehr abzuwenden. So geschah es denn auch im Frühjahr 1951: Das Parlament in Teheran löste am 20. März den Vertrag mit der AIOC, nationalisierte die Ölindustrie und nahm die Geschäfte selbst in die Hand. „Noch nie zuvor hatten so wenige so viel so dumm und so schnell verloren“, erinnerte sich später US-Außenminister Dean Acheson an Englands diplomatisches Desaster.

Während der folgenden beiden Jahre wurden insgesamt sieben Anläufe genommen, um die Irankrise zu lösen. Die amerikanische Position war ambivalent, folgte dabei aber immer den geopolitischen Imperativen. So erkannten die Amerikaner einerseits ein Recht auf Nationalisierung grundsätzlich an. Höhere Einnahmen aus dem Ölgeschäft würden das Land „stabilisieren“ und unempfindlich machen gegen Moskaus Lockungen und Einflüsterungen. Andererseits mussten Kompensationszahlungen für verlorenes Eigentum und verlorene Rechte geleistet werden – denn machte das iranische Beispiel im Nahen Osten Schule, wäre keine Investition mehr sicher. Deshalb tolerierte die US-Regierung auch den Boykott iranischen Öls, den die AIOC und die britische Regierung initiiert hatten, einen Boykott, der es den Iranern so gut wie unmöglich machte, ihr Öl auf eigene Rechnung zu transportieren und zu verkaufen. Dies war durchaus auch im Sinne der amerikanischen Ölkonzerne, verschärfte aber die eklatante Mangelsituation im Iran.

Dabei zeigte Washington vor allem für den Premier des Irans zunächst deutliche Sympathien. Mohammed Mossadegh, 1882 in Teheran geboren, war gebildet und geistreich, hatte in Europa studiert und eine Weile im politischen Exil verbringen müssen, bevor er im Zuge der Nationalisierungskrise als Premierminister an die Spitze der iranischen Politik vorrückte.

Mossadegh war ein glühender Verfechter der Interessen seines Landes, aber alles andere als ein Kommunist. Seine Verve brachte ihm den Respekt seiner amerikanischen Verhandlungspartner ein. Man verglich ihn mit Benjamin Franklin und dessen diplomatischen Auftritten während der Amerikanischen Revolution; das Time Magazine wählte Mossadegh im Januar 1952 gar zum „Man of the Year“. Trotz seines bisweilen exzentrischen Auftretens – Staatsverhandlungen auf höchster Ebene führte er manchmal im Schlafrock von seinem Bett aus –, durfte der iranische Premierminister nicht unterschätzt werden. Er durchschaute die amerikanischen Ängste und beschwor geschickt die drohende Hinwendung des Irans zum Kommunismus herauf, die auch er nicht mehr aufhalten könne, wenn es nicht zu einer Einigung in der Ölfrage komme. Als Verhandlungspartner war Mossadegh auch deshalb schwierig, weil er als iranischer Nationalist agierte, nicht als Geschäftsmann, wie es die Engländer und Amerikaner erwarteten. So versicherte er etwa dem US-Botschafter im Iran Henry Grady, „dass wir die Unabhängigkeit höher schätzen als alle wirtschaftlichen Vorteile“.

Mit jedem Monat wurde deutlicher, dass die Verhandlungen nichts brachten, und die Enttäuschung wuchs. Zu verhärtet waren die Positionen auf beiden Seiten, zu feindselig war die Stimmung. Die Situation im Land drohte aus dem Ruder zu laufen, und in Washington wuchs die Furcht, dass der Iran zwischen diesen starren Fronten in den „Sog des Kommunismus“ geriete.

Gleichwohl: Eine Invasion im Iran kam für die US-Regierung nie infrage, während die Briten schon mit dem Säbel rasselten und ihre Kriegsschiffe in Position brachten. Doch Londons Buhlen um amerikanische Unterstützung blieb ohne Erfolg – und ohne diese Unterstützung wäre ein militärischer Schritt nicht möglich gewesen. „Glaubten die Briten ernsthaft“, fragte Dean Acheson einige Jahre später in der Rückschau auf die Irankrise, „dass wir die militärische Besatzung eines fremden Landes tolerieren oder gar unterstützen würden?“

Auch eine Geheimdienstaktion, die kooperativere Verhandlungspartner im Iran „installieren“ sollte – die Briten drängten darauf –, kam für Präsident Harry S. Truman und Außenminister Acheson nicht infrage. Doch im Januar 1953 zog der Republikaner Dwight D. Eisenhower als Präsident ins Weiße Haus ein. Eisenhower hatte während des Zweiten Weltkrieges als Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa gut funktionierende Geheimdienste schätzen gelernt. Nun knüpfte er durch seine Personalpolitik ein enges Beziehungs- und Kooperationsnetz zwischen Außenministerium und CIA, um entsprechende Aktionen auch in den Zeiten des Kalten Krieges lancieren zu können.

Indessen erschien vielen Beobachtern die Position Mossadeghs mehr und mehr geschwächt. Radikale Kräfte gewannen offenbar an Einfluss. Nun kristallisierte sich die Ablösung Mossadeghs auch in den Augen der neuen amerikanischen politischen Führungszirkel als praktikabelste verbleibende Möglichkeit heraus, die Irankrise endlich zu beenden. Damit würde erstens eine ganz neue Verhandlungskonstellation geschaffen und zweitens das Land im Sinne der Amerikaner „stabilisiert“.

Der Schah flüchtet in den Irak und wartet auf die Amerikaner

Seit Februar 1953 arbeiteten der britische und der amerikanische Geheimdienst an entsprechenden Plänen, und am 25. Juni präsentierte der CIA-Agent Kermit Roosevelt im Büro des neuen Außenministers John Foster Dulles das fertige Szenario für die Operation Ajax: Unter Leitung Kermit Roosevelts würde die CIA die politische Opposition im Iran weiter anheizen. Gleichzeitig sollte die Unterstützung Schah-treuer Militärs gewonnen werden: General Fazlollah Zahedi wurde von Washington als neuer Premierminister ausgewählt. Vor allem aber musste man Schah Reza Pahlevi überzeugen, von seinem Recht Gebrauch zu machen, Mossadegh per Dekret seines Amtes zu entheben und Zahedi zu ernennen. Darin sah man den schwierigsten Teil der Operation, denn der 33-jährige Schah galt als wenig entscheidungsfreudig und hatte sich bislang damit begnügt, auf dem Pfauenthron eine gute Figur abzugeben. Trotzdem war Roosevelt vom Erfolg seines Plans überzeugt: „So werden wir den Irren Mossadegh los!“

Die Ereignisse der folgenden Wochen, befand Präsident Eisenhower später in seinen Memoiren, „glichen mehr einem Groschenroman als historischen Tatsachen“. Am 19. Juli 1953 reiste Agent Roosevelt unter einem Pseudonym in den Iran ein. Über internationale Kontaktleute sollte zunächst der Schah für die Aktion gewonnen werden. Roosevelt ließ sich auf abenteuerlichen Wegen mehrmals in den königlichen Palast hinein schmuggeln, um Reza Pahlevi unter vier Augen zu sprechen. Der Schah willigte schließlich ein, einen neuen Premierminister zu ernennen, wenn ihm Präsident Eisenhower sowie Premierminister Winston Churchill ihre volle Unterstützung zusagten. Am 15.August 1953 unterzeichnete der Schah endlich die Dekrete.

Doch Mossadegh hatte von dem geplanten Coup Wind bekommen und seinerseits ihm getreue Militärs mobilisiert, um die Übergabe des Entlassungsdekretes zu verhindern. Der Schah wurde nervös – und floh nach Bagdad; der zum neuen Premierminister erkorene Zahedi zog sich in ein CIA-Versteck zurück. Roosevelt ging neuerlich in die Offensive und ließ die Dekrete des Schahs öffentlich verbreiten. Doch auf den Straßen Teherans fand sich keine Unterstützung für Reza Pahlevi. Stattdessen erntete man Hohn und Zorn, Standbilder wurden zerstört, und vor allem der kommunistischen Tudeh-Partei schienen neue Kräfte zuzuwachsen. Allerdings handelte es sich bei den vermeintlichen Tudeh-Aktivisten zum Teil um Agents provocateurs, die von der CIA angeheuert worden waren, um eine Gegenreaktion Schah-treuer Kräfte zu provozieren.

Am Ende mussten es die Amerikaner selbst machen: Für den nächsten Tag, den 19. August 1953, mobilisierte die CIA einen Demonstrationszug gegen Mossadegh vom Teheraner Bazar zur Innenstadt. Polizei und Militär schlossen sich dem Zug an, ebenso mehr und mehr Zivilisten, die den Ausschreitungen der vorangegangenen Tage entgegentreten wollten. Die Stimmung in Teheran kippte, Anhänger des Schahs und Fazlollah Zahedis nahmen die Radiostation ein und verkündeten die Ablösung Mossadeghs als Premierminister. Zugleich rollte Zahedi, von Gefolgsleuten umgeben, in einem Panzer auf Mossadeghs Haus zu. Bei der mehrstündigen Schlacht, die nun entbrannte, kamen etwa dreihundert Menschen ums Leben. Mossadegh konnte zwar noch einmal fliehen, stellte sich aber am folgenden Tag. Nun kehrte auch der Schah nach Teheran zurück.

Kermit Roosevelt hatte seine Aufgabe erfüllt. In den Tagen nach dem Machtwechsel in Teheran verhaftete die Polizei beinahe 2000 Mitglieder der Tudeh-Partei. Mohammed Mossadegh wurde im Dezember 1953 zu drei Jahren Haft verurteilt und danach ins Exil verbannt. Das gleiche Schicksal traf circa 270 seiner Anhänger.

In den Monaten nach dem Coup handelten Briten, Amerikaner und Iraner die Rückführung des iranischen Öls auf den Weltmarkt aus. Dabei ließen die US-Unterhändler nie auch nur den Hauch eines Zweifels daran aufkommen, wer in diesen Unterredungen den Ton angab. Vor allem der „Stabilisierung“ des Irans und somit der Region sollte nun absolute Priorität eingeräumt werden. Daran hing, wie man in Washington meinte, nicht zuletzt die nationale Sicherheit der USA. Währenddessen zögerten die amerikanischen Ölkonzerne nicht, im Iran einzusteigen. Eine Wiederaufnahme der Ölproduktion unter britischer Leitung wäre selbst nach dem Regierungswechsel für die Iraner nicht hinzunehmen gewesen. Also gründete man nun ein internationales Konsortium, in dem die britische AIOC nur noch 40 Prozent der Anteile hielt. Weitere 40 Prozent gingen an die großen fünf amerikanischen Ölkonzerne, das letzte Fünftel teilten sich die Royal Dutch Shell und die Compagnie Française de Pétrole. Die Iraner erhielten fortan die Hälfte der Profite, die das Konsortium einstrich, die AIOC bekam eine moderate Entschädigung zur Deckung ihrer Verluste, und die AIOC-Aktie schnellte auf Rekordhöhe.

Die Amerikaner hatten im Laufe der Irankrise im Nahen Osten das Heft in die Hand genommen – mehr als drei Jahre vor dem Konflikt um die Besetzung des Sueskanals in Ägypten. Im Iran errichteten sie das Paradebeispiel eines korrupten und brutalen Marionettenregimes. Gefüttert mit hoher Militär- und Wirtschaftshilfe sowie gestützt durch einen rücksichtslosen Geheimdienst, machten sie den Schah für die nächsten 25 Jahre zur starken Figur im Land – und zu einem der verhasstesten Diktatoren der islamischen Welt.

Der Autor ist Historiker an der Universität Hamburg