In den ersten Tagen des Mai kam der Regen in das Land der Aufrechten, und der Regen ist der Anfang aller Dinge. Sieben Monate lang hatte die Sonne den Saft aus der Erde gesogen. Die Bäume hatten ihre Blätter verloren und die Gräser ihre Farbe. In den Dörfern saßen die Männer vor ihren Lehmhütten, und der Wind blies ihnen den Staub ins Gesicht. Dann fiel endlich Wasser vom Himmel und brachte das Leben wieder.

Mit den Werkzeugen Afrikas, der kurzen Hacke und dem von mageren Ochsen gezogenen Pflug, bricht Yiribaté Dabou die Erde auf. Dabou, der Bauer. 28 Jahre ist er alt, abends isst er Maisbrei, nachts schläft er auf dem Lehmboden, tags arbeitet er auf seinem Acker unter der Sonne. Dabou lenkt die Ochsen, seine Brüder führen den Pflug, die Frauen und die Kinder streuen das Saatgut in die Erde, die Malaria-Mücken zerstechen ihnen den Rücken. Darauf achten sie nicht.

Dabou achtet auf das Wetter. Die Wolken sind gut dieses Jahr, sagt er. Der Regen kam früh, er fällt reichlich, in ein paar Monaten werden die Sträucher mannshoch auf dem Acker stehen, so dicht wie selten, und der Acker wird nicht grün sein, sondern weiß. Dicke Wattebüschel werden an den Zweigen hängen wie warmer Schnee. Tage- und wochenlang werden die Männer und die Frauen und die Kinder die Baumwolle pflücken, den Rohstoff für die Hemden, Hosen, Jacken, Socken, Handtücher, Bettlaken und Waschlappen der Welt, die Ernte des Jahres 2003 in einem kleinen Staat in Westafrika, der sich Burkina Faso nennt, Land der Aufrechten. Es wird eine gute Ernte sein.

Dabou wird fast kein Geld dafür bekommen.

Am frühen Morgen des 13. Mai 2002 nimmt im reichsten Land der Erde der mächtigste Mann der Welt einen Füller zur Hand. George W. Bush hat im Raum 450 des Dwight D. Eisenhower Executive Office Building in Washington eine kurze Rede gehalten, ein wenig gescherzt, jetzt wird er die Farm Bill unterzeichnen, das neue Agrargesetz der Vereinigten Staaten. Per Unterschrift wird er 180 Milliarden Dollar ausgeben. Diesen Betrag sollen die amerikanischen Bauern in den kommenden Jahren von der amerikanischen Regierung als Subventionen erhalten. Schon Bushs Vorgänger Bill Clinton hatte insbesondere die Baumwollfarmer reichlich bedacht. Jetzt können sie weiterhin mit jährlich mehreren Milliarden Dollar rechnen.

"Die Farm Bill hilft Amerikas Bauern, und deshalb hilft sie Amerika", sagt Bush an diesem Morgen, und Radio Farm überträgt jedes seiner Worte live bis nach Texas, Georgia und Alabama, hinaus auf die Baumwollfelder. Mit den Werkzeugen Amerikas, der panzergroßen Erntemaschine und dem von Computern navigierten Traktor, fahren dort die Männer auf die Äcker. Die bemerkenswerten Apparate wecken die Illusion von Rentabilität.

Auf einem freien Weltmarkt hätten die amerikanischen Bauern keine Chance, vor allem nicht gegen die Afrikaner. Die sind zwar nicht besonders gut, wenn es darum geht, Autos oder Computer zu bauen, aber sie können kostengünstig Baumwolle produzieren. Die preiswerteste landwirtschaftliche Maschine ist immer noch der Mensch, jedenfalls, wenn er zum Arbeiten nichts braucht als ein, zwei Schälchen Mais am Tag. Nach Berechnung des International Cotton Advisory Committee (ICAC) in Washington produzieren die Bauern in Burkina Faso ihre Baumwolle dreimal billiger als die Bauern in Amerika, und weil die Afrikaner die weiße Watte mit den Händen von den Sträuchern zupfen, ist sie auch noch von besserer Qualität als cotton USA .

Um 7.57 Uhr kratzt der Füller über das Papier. Der Präsident hat unterzeichnet, der Staat wird zahlen. In weniger als einer Sekunde hat George W. Bush dem weltweiten Drama, das Globalisierung heißt, einen weiteren Akt hinzugefügt.

Angetrieben von den staatlichen Geschenken, exportieren die amerikanischen Cotton-Farmer heute mehr Baumwolle als je zuvor in der Geschichte, mehr als jedes andere Land. Mehr, als die Textil- und Bekleidungsunternehmen in aller Welt verarbeiten.

Das Überangebot hat eine simple ökonomische Folge. Der Weltmarktpreis der Baumwolle fällt. Im Sommer 1995 lag er noch bei weit über einem Dollar pro Pfund, später bei 90 Cent, dann bei 80, 60, 50 Cent. Ende 2001 fiel der Preis auf unter 40 Cent und war, inflationsbereinigt, so niedrig wie seit der Weltwirtschaftskrise vor 70 Jahren nicht mehr. Heute liegt er noch immer weit unter dem langfristigen Durchschnitt von 70 Cent. Laut ICAC wird er in den kommenden Jahren kaum steigen.

Für Baumwollbauern rund um die Welt ist das so, als habe ihnen eine ominöse, höhere Macht ihr Einkommen halbiert. Nur die 25000 Baumwollfarmer in den USA müssen sich nicht sorgen. Zwar haben sie den Preisverfall maßgeblich verursacht. Aber obwohl sie weltweit zu den ineffizientesten Produzenten gehören, haben sie unter ihm nicht zu leiden, denn sie bekommen ihr Geld vom Staat. Im Jahr 2002 waren es 3,9 Milliarden Dollar, doppelt so viel wie 1992, dreimal so viel wie die gesamte amerikanische Entwicklungshilfe für 500 Millionen Afrikaner.

Burkina Faso ist ein Land am Rand der großen Wüste. Der Rand bewegt sich. Von Norden her frisst sich die Sahara heran. Feuchte Erde verwandelt sie in trockene Erde, und trockene Erde verwandelt sie in Sand. Dann ist es für die Menschen Zeit zu gehen. Jedes Jahr machen sich Tausende auf den Weg. Sie schnüren Töpfe, Kleider und Kochlöffel in Plastikbahnen, quetschen ein paar Hühner in winzige Holzkäfige und zwängen sich in rostige Busse, die auf Staubstraßen nach Süden holpern, in eine Gegend des Landes, wo wenigstens im Sommer Regen fällt, wo Bäume stehen und die Felder Früchte tragen. Wo die Baumwolle wächst.

Wie Termitenhügel ragen die erdfarbenen Lehmhütten aus dem Boden, und in der Luft hängt der Geruch von verbrannten Ästen und Zweigen, die Öl, Gas, Kohle und Strom gleichzeitig ersetzen.

Burkina Faso ist nur etwa so groß wie der westliche Teil der Bundesrepublik, trotzdem ziehen sich mehrere Zeitzonen durchs Land. In der Hauptstadt Ouagadougou mit ihrem Präsidentenpalast und den zweijährlichen Festspielen des afrikanischen Films sitzen französische Geschäftsleute in Restaurants mit europäischen Preisen, und neben ihnen liegt ihr Laptop. Dabou, der Bauer, aber lebt im 19. Jahrhundert, in einer Welt, in der die Lebenserwartung 46 Jahre beträgt und drei von zehn Kindern vor ihrem fünften Geburtstag sterben. In der die Menschen vor allem mit einem beschäftigt sind: Überleben.

Die Baumwolle, einst von den Kolonialherren ins Land gebracht, eignet sich dafür besonders gut. Denn die Baumwolle ist das Einzige, was Bauern wie Dabou verkaufen können. Richtig verkaufen. Nicht so wie die paar Eier oder das bisschen Gemüse, das die Kinder am Straßenrand den vorbeifahrenden Autos entgegenstrecken. Sondern zentner- und tonnenweise, eingeschnürt in Plastikballen, abtransportiert von den schweren Lastwagen der halbstaatlichen Baumwollfirma Sofitex.

Deren Mitarbeiter kaufen den Bauern den Rohstoff ab, um ihn dann zu exportieren. Ist der Weltmarktpreis hoch, zahlen sie viel, ist er niedrig, zahlen sie wenig. Zurzeit zahlen sie sehr wenig. So stellen sie die Verbindung her zwischen dem 21. und dem 19. Jahrhundert, zwischen Bush, dem Präsidenten, und Dabou, dem Bauern, die nichts voneinander wissen, weil der eine, als er die Farm Bill unterschrieb, an Amerika dachte, während der andere denkt, der niedrige Baumwollpreis sei ebenso unerklärlich wie eine langjährige Dürre. Er klagt, er verzweifelt, er fügt sich.

Dabou ist ein kleiner, magerer Mann in gelbem T-Shirt und löchrigen Levis-Jeans. Andere Bauern tragen Nike- oder adidas-Hemden, die irgendjemand irgendwo in Asien oder Lateinamerika zusammengenäht hat, womöglich aus mit afrikanischer Baumwolle produziertem Stoff. Irgendwann kamen sie dann, benutzt und abgetragen, aus Europa oder den USA nach Burkina Faso, als Kleidung für einen Menschen, der in einer Großfamilie mit 30 Leuten lebt, der Maskenfeste feiert und lange verstorbene Ahnen verehrt. Der, seltsam schizophren, ein vorkapitalistisches Leben lebt, das von nichts so bestimmt wird wie vom Geld.

Von dem, was er für die Baumwolle bekommt, muss Dabou seine Schulden für den Dünger, das Saatgut und die Schädlingsbekämpfungsmittel begleichen. Früher blieben ihm dann 300000 westafrikanische CFA-Franc, das entspricht einem Gewinn von 1,20 Euro am Tag. Damit kaufte er das Essen für die Familie, zahlte das Schulgeld und die Medikamente für die Kinder, die der Durchfall und die Malaria plagt, und hatte dann immer noch genug übrig, um hin und wieder mit den übrigen Männern einen trinken zu gehen.

Mitte der Neunziger, als die Baumwolle auf dem Weltmarkt hohe Preise erzielte, sank die Armutsquote in den Dörfern laut Berechnung der Weltgesundheitsorganisation innerhalb kurzer Zeit um zehn Prozent. Damals ernährte das Geld, das die Bauern verdienten, nicht nur ihre Familien, sondern auch die anderen im Dorf. Menschen wie Nabéré Traoré, die Wirtin, die in einer Baracke zwischen den Lehmhütten Hirsebier und Coca-Cola verkauft und Reis mit Fleisch auftischt.

Oder Konaté, den Schmied. Eisen schlägt er zu Pflugscharen, und sein Stolz ist eine handbetriebene Sämaschine, die er selbst konstruiert hat und jetzt den Bauern zum Kauf anbietet.

Oder Dao, den Landarbeiter. Das Feld seiner Eltern ist so klein, dass es nicht zum Leben reicht, deshalb leihen sie ihn aus an andere Bauern, denen er mit gebeugtem Rücken das Unkraut aus dem Acker kratzt, für einen halben Euro am Tag, das entspricht einem Kilo Reis. In den guten Jahren konnten ihm die Bauern das zahlen.

Damals haben sie sogar eine Schule gebaut, aus Beton, gelb und orange gestrichen. Zwei kleine Klassenzimmer haben sie fertig bekommen, und wenigstens die jüngeren Kinder müssen jetzt nicht mehr stundenlang laufen, bis zum Unterricht. Für das dritte Zimmer hat das Geld gefehlt, denn dann begann der Baumwollpreis zu fallen.

Seit Beginn des neuen Jahrtausends sind die guten Jahre vorbei, und dieses ist das schlechteste, an das sich die Bauern erinnern können.

Irgendwann vor ein paar Jahren begriff François Traoré, dass der Weltmarkt anders ist als der Regen und von Menschen gemacht. Bis dahin war ein Wort wie "Amerikaner" für ihn ein anderer Name für weiße Menschen in großen Geländewagen. Die kamen in die Dörfer, um den Bauern zu erklären, wie sie am effizientesten ihren Acker bewirtschaften könnten. François Traoré war einer dieser Bauern.

Heute ist er ein 50-jähriger Mann mit sorgfältig rasiertem grau melierten Bart. Er hat auf Konferenzen in Washington, Paris und Berlin gesprochen. Er hat einen Fahrer. Er hat einen Assistenten, der Ökonomie studiert hat. Er sitzt unter einem sirrenden Ventilator in seinem Büro in der Stadt. Alle paar Minuten läutet sein perlmuttfarbenes Handy, auf das er nicht hört, weil er mit lauter Stimme erklärt, dass die Baumwollbauern nicht mehr verlangten als die Chance, sich durch ihrer Hände Arbeit aus der Armut zu befreien. Dann hält er doch inne, flucht, nimmt das Gespräch an, erteilt ein paar Anweisungen, beendet es und führt den Satz fort.

François Traoré ist ein Mann, der anderthalb Jahrhunderte übersprungen hat.

Als er 16 war, nahmen von Mücken übertragene Wurmlarven seinem Vater das Augenlicht. Flussblindheit heißt die Krankheit. Der junge François war auf einmal verantwortlich für die Eltern und acht Geschwister. Er führte die Familie durch die Savanne, bis sie ein Stück fruchtbares Land fanden. Dort baute er Baumwolle an, und er legt Wert darauf, dass er das noch immer tut. Dass er ein Bauer geblieben ist.

Er deutet auf seine geröteten Augen und sagt, in den vergangenen Nächten habe er kaum geschlafen, in jeder freien Minute sei er auf dem Acker gewesen. Aber die Art, wie er das sagt, wie er versucht, das Bild zu beeinflussen, das man sich von ihm macht, zeigt, dass ihm andere Dinge längst wichtiger sind als seine Baumwollsträucher. Er will Politik machen.

François Traoré ist Präsident des UNPCB, des Verbands der burkinischen Baumwollbauern. Der Erste seiner Art, denn es gibt den Verband noch nicht lange. Traoré hat ihn mit aufgebaut. Ihm schien es ein Unding, dass die Baumwollbauern keine politische Stimme haben in einem Land, in dem fast jeder Fünfte von der Baumwolle lebt.

Heute heißt es von Traoré, der als Kind sechs Jahre lang zur Dorfschule ging, und das war alles, er müsse nur beim Präsidenten um ein Treffen bitten, dann bekomme er es. Mit Baumwollbauern aus den Nachbarländern Mali, Benin und Tschad hat er einen Appell formuliert und das Ende der Subventionen gefordert. Ein französischer Missionar hat den Text ins Internet gestellt. Es entstanden Kontakte zu Hilfsorganisationen wie Oxfam oder Brot für die Welt, die Studien erstellten und Pressekonferenzen organisierten. Traoré war beim Kirchentag in Deutschland, bei der Weltbank und beim ICAC in Amerika, das ausgerechnet hat, dass der Baumwollpreis um 25 Prozent steigen würde, wenn die Amerikaner auf die Subventionen verzichteten.

Traoré glaubt sogar, das sei durchsetzbar. Dass der amerikanische Präsident auf die afrikanischen Bauern Rücksicht nehmen werde. "Es wird nur Frieden geben, wenn die Großen auf die Kleinen hören, die Reichen auf die Armen." So einfach sei das.

Sie hat sich schnell verändert, die einst winzige Welt des François Traore. Vielleicht ist das der Grund, dass er glaubt, auch die große Welt werde sich bald wandeln. Er denkt schon über die Zeit nach dem Ende der Subventionen nach.

"Was hat denn Ihr Hemd gekostet?"

Das Hemd? Vielleicht 30 Euro.

"Sehen Sie. Ihr Hemd wiegt etwa 200 Gramm. 200 Gramm Baumwolle. Das bringt uns auf dem Weltmarkt, sagen wir, 25 Cent. Ohne Subventionen wären es vielleicht 32 Cent. Das würde den Bauern schon enorm helfen. Aber um richtig Geld zu machen, müssten wir anfangen, in Burkina nicht nur die Baumwolle zu produzieren, sondern auch die Hemden."

Es wäre der Weg ins 21. Jahrhundert.

Mitte Juni 2003 steigt in Anzug und Krawatte ein Mann in ein Flugzeug und fliegt von der afrikanischen Savanne in den europäischen Frühsommer. Und in die Anonymität. Zu Hause kennt ihn jedes Kind, hängt in jedem Beamtenzimmer sein Bild. In Genf, wo er nie zuvor war, ist er irgendein afrikanischer Regierungschef, dessen Namen sich die Journalisten auf einen Zettel schreiben, bevor sie ihn treffen: Blaise Compaoré, Präsident von Burkina Faso, ehemals Obervolta.

Sie lieben ihn nicht in Afrika. Vor 20 Jahren kam Compaoré an die Macht, nachdem der damalige Staatschef Thomas Sankara, Held der Massen, erschossen worden war. In Burkina ist es ein offenes Geheimnis, dass vermutlich Compaoré, damals Justizminister, den Mord in Auftrag gab. Sankara hatte betont, dem Volk dienen zu wollen, nicht sich selbst. Zum Zeichen, dass es ihm ernst war, begnügte er sich mit einem Renault 5 als Dienstwagen.

Heute lässt sich der Präsident wieder in schweren Limousinen durch die Hauptstadt fahren.

In den guten Baumwolljahren hätte Compaoré die Gelegenheit gehabt, in seinem Land eine kleine Bekleidungsindustrie aufzubauen. Er hat sie verpasst. Über die Baumwollfirma Sofitex floss Geld in die Staatskasse. Von dort floss es weiter zu hohen Beamten und in hübsche Regierungsgebäude. Die einzige Textilfabrik des Landes ist vor ein paar Jahren Pleite gegangen.

Dieser Mann, einst als Fallschirmjäger in Frankreich ausgebildet, betritt am 10. Juni ein flaches, lang gezogenes Betongebäude direkt am Genfer See mit Blick auf verschneite Bergspitzen: den Sitz der Welthandelsorganisation WTO. Ihre 146 Mitgliedsstaaten entscheiden über die Regeln des Welthandels. Theoretisch sind sie sich einig. Jedes Land sollte seine Produkte ungehindert exportieren können. Praktisch sind die Entwicklungsländer auch nach Jahrzehnten des Konferierens und Verhandelns mit höheren Zollsätzen konfrontiert als die Industrienationen, die noch dazu ihre Landwirte mit jährlich 320 Milliarden Dollar subventionieren. Die Amerikaner schützen ihre Baumwoll-, Mais- und Sojafarmer, die Europäer ihre Milch- und Zuckerproduzenten, die Japaner ihre Reisbauern. In den vergangenen 20 Jahren konnten die Entwicklungsländer ihren Anteil am Weltmarkt für landwirtschaftliche Produkte nicht erhöhen. Eine Folge der Machtverhältnisse in der WTO.

In dem grauen Haus spricht Compaoré vor Journalisten und vor allem vor dem Trade Negotiation Committee, einem Verhandlungsgremium der WTO. Er fordert die Abschaffung aller Baumwollsubventionen weltweit. Es ist das erste Mal, dass ein Staatschef vor diesem WTO-Komittee auftritt.

Ein Dutzend afrikanischer Staaten und einige andere Drittwelt-Länder drücken ihre Unterstützung aus. Vier Wochen später schlägt sich auch die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul auf die Seite der Westafrikaner.

Inzwischen vermuten Handelsdiplomaten, bei der WTO-Konferenz im September in Cancún könnte die Baumwolle eine Rolle spielen. Womöglich würden die Amerikaner Zugeständnisse machen. Es werde wohl davon abhängen, wie stark sie von anderen Staaten unter Druck gesetzt würden.

In Ouagadougou aber sind die Blätter voll mit Berichten über die Reise des Präsidenten. Das Land ist beeindruckt von dem Auftritt bei der WTO.

Compaoré hat an Ansehen gewonnen. So wie Bush sich mit der Farm Bill seinen Bauern andiente. Manchmal funktioniert die Politik nach denselben Regeln, egal ob in Erster oder Dritter Welt. Nur die Mittel unterscheiden sich. Der amerikanische Präsident legt Geld auf den Tisch, und der Rest der Welt kann ihn daran nicht hindern. Ein afrikanischer Präsident hält einen Appell und kann nur darauf hoffen, dass der Rest der Welt ihn unterstützt.

Nächste Folge: Die Jagd nach Wasser