Welt-Agrarmarkt Die sichtbare Hand des Staates
L heißt eine alte Regel an den Rohstoffbörsen der Welt: Niedrige Preise heilen niedrige Preise. Dafür sorgt die unsichtbare Hand des Marktes. Wenn zum Beispiel das Pfund Baumwolle nur mehr einen halben Dollar kostet, legt weltweit ein Teil der Baumwollbauern seine Felder still – und zwar jene mit den höchsten Produktionskosten. Das Angebot auf dem Weltmarkt sinkt, der Preis steigt, Problem gelöst.
Schön wär’s. Vor allem bei Agrarprodukten haben die Industrieländer den Marktmechanismus längst außer Kraft gesetzt. Beispiel Baumwolle: Die 25000 amerikanischen Cotton-Farmer gehören zu den ineffizientesten der Welt. Liegt der Weltmarktpreis so wie in den vergangenen zwei Jahren zwischen 40 und 60 Cent pro Pfund, wären sie eigentlich zum Bankrott verurteilt. Doch den verhindert das Agrargesetz der Vereinigten Staaten. Es besagt: je niedriger der Preis, desto höher die Subventionen. In der Saison 2001/02 zahlte Amerika seinen Baumwollbauern 3,9 Milliarden Dollar, obwohl die gesamte amerikanische Baumwollproduktion nur einen Marktwert von 3,1 Milliarden Dollar erzielte. Nach Ansicht der Hilfsorganisation Oxfam erinnert das „auf bizarre Weise an sowjetische Planwirtschaft“.
Die sichtbare Hand des Staates verhindert, dass das Angebot auf dem Weltmarkt sinkt. Der Preis bleibt niedrig, und am Ende gehen die Bauern in Afrika, Asien oder Lateinamerika Pleite. Nicht die in den USA.
Oder in Europa und Japan. Zwar bauen sie dort keine Baumwolle an (abgesehen von wenigen, natürlich hoch subventionierten Bauern in Spanien und Griechenland), aber egal, ob Reis, Mais, Milch, Weizen oder Zucker, das Prinzip ist bei fast allen Produkten dasselbe: Durch hohe Zölle verhindern Industrieländer, dass ihren Bauern auf dem eigenen Markt gefährliche Konkurrenz erwächst. Mithilfe immenser Subventionen sorgen sie gleichzeitig dafür, dass diese auch auf dem Weltmarkt mithalten können. An diesem Prinzip hat auch die jüngst beschlossene Reform der Europäischen Agrarpolitik wenig geändert.uch
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- Quelle (c) DIE ZEIT 14.08.2003 Nr.34
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