Indonesien Dschihad gegen Diskotheken

Nach dem Anschlag von Jakarta rüsten Indonesiens Islamisten weiter auf. Doch den Kampf um das Volk haben sie verloren

Fragte man vor einem Jahr: „Was zeichnet den Islam in Indonesien aus?“, lautete die Antwort: „Dass er außergewöhnlich liberal ist, moderat, ganz anders als in arabischen Ländern. Nicht anfällig für radikale Ideen.“

Das hörte man von den Leitern der Islamschulen in Indonesien, von muslimischen Intellektuellen in der Hauptstadt Jakarta. Von Studenten, von Journalisten. Das sagten auch Unternehmer aus dem Westen – in der Hotelbar des ShangriLa, nicht weit entfernt vom Marriott.

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Mindestens 12 Menschen starben bei dem Anschlag auf das neue Luxushotel am 5. August; 202 Todesopfer forderten die Bombenanschläge auf Bali im vergangenen Oktober. Beide Terrorattacken verübte vermutlich die Dschamaa islamija, eine radikalislamische Organisation. Amrozi, einer der Hintermänner der Anschläge von Bali, jubelte, als die Richter ihn vergangene Woche zum Tode verurteilten. Schon während der Verhandlung pries er die „positiven Effekte“ des Anschlags: Sündige Orte wie Diskotheken würden weniger besucht. Er hofft, dass noch möglichst viele „Weiße“ ihr Leben lassen.

Heute beginnen die Antworten auf die Frage nach dem Islam in Indonesien so: „Eigentlich ist er außergewöhnlich moderat und tolerant…“ Dann folgt ein hässliches „aber“.

Indonesien ist die größte muslimische Nation der Erde, 220 Millionen Menschen leben auf dem Archipel, knapp 90 Prozent sind Muslime. Welches ist nun das Gesicht des Islams in Indonesien – das liberale oder die Terrorfratze?

Pater Franz Magnis-Suseno kennt beide Gesichter. Er wurde in Deutschland geboren und lebt seit 40 Jahren in Indonesien. Der Jesuit leitet eine katholische Hochschule für Philosophie, genießt hohes Ansehen bei Politikern und Intellektuellen. Über 20 Bücher hat er geschrieben. Einige davon haben radikalen Muslimen nicht gefallen. Sie haben sie verbrannt. Dabei handelten die Bücher nicht einmal vom Islam, sondern von Marx. Das habe ihn erschüttert, sagte er der Deutschen Welle. Aber der Pater hat auch gleich ein Gegenbeispiel parat: Ein Muslim lädt ihn ein, ein islamisches Kulturzentrum einzuweihen, ihn, den katholischen Priester und Jesuiten.

Magnis-Suseno glaubt nicht, dass die Fundamentalisten in Indonesien wirklich Fuß fassen können, sondern dass sie eine Minderheit bleiben. Eine lautstarke Minderheit allerdings, während die moderate Mehrheit leise bleibt.

In Jakarta randalierte die so genannte Front zur Verteidigung des Islams in Bars und Diskotheken, zertrümmerte Bierflaschen, hetzte gegen Ausländer und bedrohte die Besitzer, wenn sie im heiligen Fastenmonat Ramadan geöffnet hatten. Eine Gruppe namens Laskar Dschihad (Truppe Heiliger Krieg) führte auf den Molukken, den Inseln im Osten Indonesiens, einen Religionskrieg gegen Christen. Die Dschamaa islamija legte Bomben in fast 40 Kirchen – an einem Weihnachtsabend. Die Regierung reagierte lange Zeit nicht, redete die Mahnungen aus dem Ausland klein. Terroristen? Gibt’s hier nicht.

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