Die Friedenstruppen: Die Isaf-Truppe wird seit Wochenbeginn von der Nato kommandiert. Zuvor hatte die Bundeswehr den Oberbefehl inne. Die Isaf beschränkt sich auf die Sicherung der Hauptstadt Kabul. Ihre rund 5500 Soldaten kommen aus 31 Nationen, Kanada (1900 Mann) und Deutschland (1500) stellen den größten Anteil. Frankreich hat 550 Soldaten nach Kabul entsandt, die Briten, welche 2002 die Isaf befehligten, haben ihre Präsenz auf 267 reduziert, die USA auf 110. Dafür stellen Briten und Amerikaner die Provincial Reconstruction Teams. Diese Wiederaufbautrupps mit jeweils rund 100 Technikern und Soldaten prüfen Möglichkeiten, Entwicklungshilfe sicher in die Provinz zu bringen. Gleichzeitig kämpfen noch 9000 Kampftruppen und Spezialeinheiten, darunter auch die deutsche KSK (rund 100), gegen die Taliban und al-Qaida. Diese sammeln sich wieder in den gebirgigen Grenzgebieten zu Pakistan.

Die Warlords: Das größte Hindernis für den Aufbau einer wirksamen afghanischen Zentralmacht sind die mächtigen Provinzfürsten. Sie haben das Land aufgeteilt und wachen eifersüchtig über ihre Gebiete. Der Tadschike Ismail Khan in Herat macht Front gegen die Wiederaufbautrupps. Der usbekische General Raschid Dostum schickt in seiner Hochburg Masar-i-Scharif Soldaten gegen politische Widersacher ins Feld. In den Bergen bei Gardes im Osten residiert der massige Paschtune Padshah Khan, der per Satellitentelefon die Amerikaner alarmierte, damit sie angebliche Al-Qaida-Kämpfer bombardieren. Tatsächlich waren es Padschah Khans Gegner. Internationale Organisationen werfen vielen Provinzfürsten Folter, Erpressung und Vergewaltigung vor. Der militärisch mächtigste Warlord sitzt sogar in der Regierung. Es ist Verteidigungsminister Mohammed Fahim, der eine Nationalarmee aus allen Volksgruppen gründen soll, stattdessen aber seine tadschikischen Kämpfer in frisch gebügelter afghanischer Uniform protegiert.

Die Opiumernte:Afghanistan ist der größte Opiumproduzent der Welt. Am Export verdienen vor allem die Warlords, aber eben auch die einfachen Bauern. Im vergangenen Jahr erzielten die Afghanen eine Rekordernte von 3300 Tonnen Rohopium. Dieses Jahr wird noch mehr erwartet. Neuerdings schießen die Drogenküchen, in denen das Opium gleich in Morphium oder Heroin verarbeitet wird, wie Pilze aus dem Boden. Politiker, Polizisten, Offiziere und Dorfgeistliche halten beim Handel die Hand auf. Ein US-General antwortete auf die Frage nach einer Liste von beteiligten Beamten: „Eine Liste derer, die nicht beteiligt sind, wäre einfacher – weil kürzer.“ M. T./stz