Der General Als Präsident Alvaro Uribe den Befehl zum Angriff von Bogotá nach Medellín übermittelt, nimmt Polizeigeneral Leonardo Gallego ihn mit Befriedigung entgegen. Er und Armeegeneral Mario Montoya haben sich gut vorbereitet. Alle Details der Operation sind festgelegt. 3000 Mann stehen bereit. Ihren Kalkulationen nach ist das genug, um die Guerilleros zu vertreiben. Einen wohlklingenden Namen haben die Generäle für ihr Unternehmen auch gefunden: Orion.

Trotzdem ist General Gallego nervös. Operation Orion zielt auf die Besetzung eines Stadtteils von Medellín ab, die Comuna 13. Hier leben mehr als 130000 Menschen dicht nebeneinander. Das Viertel zieht sich steil hügelan, ein Labyrinth aus winzigen Häusern und Hütten, die durch Gassen, Wege und Treppen verbunden sind – ein Albtraum für jeden Soldaten.

Kolumbiens Generäle sind zwar seit Jahrzehnten an Krieg gewöhnt, aber sie führen ihn vor allem auf dem Land, irgendwo draußen im Dschungel oder in den Bergen. Die Stadt, das ist etwas Neues. Eine risikoreiche Aktion. Was immer hier geschehen wird, es findet unter den Augen der Öffentlichkeit statt. Für eine Aktion dieser Art brauchen die Generäle die politische Rückendeckung. Präsident Alvaro Uribe garantiert sie ihnen.

Uribe war erst im August 2002 gewählt worden. Sein Vorgänger, Andres Pastrana, hatte mehrere Jahre mit der Farc verhandelt, der größten und ältesten Guerillagruppe Kolumbiens. Ohne sichtbares Ergebnis. Im Gegenteil: Nach Meinung der meisten Experten nutzte die Farc diese Zeit dazu, aufzurüsten und ihr Gebiet zu konsolidieren. Pastrana brach die Verhandlungen im Februar 2002 ab, nachdem die Farc den Gouverneur der Provinz Antioquia, den Verteidigungsminister, eine Reihe von Parlamentariern und eine Präsidentschaftskandidatin entführt hatte. Die Zeit, so erschien es den meisten Kolumbianern, war reif für einen starken Mann: Alvaro Uribe.

General Gallego kann also beruhigt sein. Der Angriffsbefehl gegen die Farc-Guerilleros der Comuna 13 kommt direkt aus dem Präsidentenpalast. Uribe ist offenbar entschlossen, sein Versprechen einzulösen, die Autorität des Staates wiederherzustellen. Gallego und seine Männer sind nun die entscheidenden Instrumente präsidialer Politik. Von ihnen hängt in diesem Augenblick das Image des Präsidenten ab. Das erfüllt die Generäle mit einer gewissen Genugtuung. Denn unter dem „weichen“ Pastrana hatten sie gelitten. Insgesamt herrscht in Kolumbien das Gefühl, die Armee sei in die Defensive geraten und könne gegen die Guerilla nicht die Oberhand gewinnen, nicht einmal in Teilstücken. General Gallego und all die anderen Generäle haben jetzt die Chance, das Gegenteil zu beweisen. Um zwei Uhr nachts an einem Dienstag beginnt die Operation Orion.