Im Fitness-Studio lese ich immer Fit for Fun. Ich finde die Zeitschrift Fit for Fun eigentlich ganz interessant.

Die Fit for Fun- Rechtsabteilung hat die Frage klären lassen, welche Höchststrafe es in den wichtigsten Ländern für Sex am Strand gibt. Wir reden jetzt hier nicht übers Rumknutschen. Wir reden nicht über ein Paar, das, von der untergehenden Sonne beschienen, hinter einer Düne verschwindet. Wir reden darüber, dass sie es am Sonntag um 15.35 Uhr direkt neben dem Sonnenschirmausleiher tun. Ich hätte da Hemmungen.

Über fremde Kulturen gibt es viele Klischees. Davon muss man sich frei machen. Man denkt zum Beispiel: "Die Muslime sind sicher die härtesten. Am liberalsten sind die Skandinavier." Aber das stimmt überhaupt nicht. In Ägypten bekommt man drei Jahre Kerker, das finde ich überraschend wenig. In der Türkei sind es sogar nur zwei Monate. Wieso soll dieses Land nicht reif sein für die EU? Allerdings schreibt die Fit for Fun- Redaktion, dass man sich in islamischen Ländern vor der Lynchjustiz höllisch in Acht nehmen muss. Das Paar sollte in der Türkei die Angelegenheit auf alle Fälle zügig hinter sich bringen und dann eiligen Schrittes das nächstgelegene Polizeirevier aufsuchen. Schutzhaft!

Dänemark: vier Jahre. Strenger als die Ägypter! In Finnland kostet es pauschal zehn Prozent des Jahreseinkommens. Aber sie sagen nicht, welches Jahreseinkommen. Was passiert, wenn die finnischen Autoritäten, sagen wir mal: den Reichfinnen Mika Häkkinen mit einer nahezu mittellosen Armfinnin am Strand des Vesiluontopulku erwischen, beide lediglich mit einer dünnen Schicht Stechmücken bekleidet? Nehmen sie dann den Durchschnitt aus beiden Jahreseinkommen? Oder kommt es darauf an, welche von beiden Personen die Initiative ergriffen hat?

In Spanien, wo sich das Problem wahrscheinlich am häufigsten stellt, wegen Ibiza, ist es am teuersten: 75000 Euro Strafe. Haftstrafen sind nicht vorgesehen. Ein Paar, das vor dem Urlaub dem spanischen Staat eine Million Euro überweist, kann 14 Tage lang am Strand von Ibiza tun, was immer es in der jeweiligen Situation für angemessen und wünschenswert hält.

Deutschland liegt, was die Strenge angeht, im Mittelfeld. Ein Jahr Knast. Na gut, wir kennen die milden deutschen Richter. Letztlich läuft es wahrscheinlich auf zehn Stunden Sozialarbeit im Altenheim hinaus, und auch das erst beim dritten Mal. Legal ist es in Jamaika und Bulgarien. Jamaika – klar, der Kifferstaat. Aber Bulgarien? Am Strand nebenan, in Rumänien, gibt es sieben Jahre. In Bulgarien schlimmstenfalls eine Verwarnung. Der Stalinismus hat das Rechtsgefühl der südostmitteleuropäischen Völker in einen vollkommen verwirrten Zustand versetzt.

Über die Rechtslage in den USA gibt es ein Sonderkapitel. Kalifornien: sechs Monate. Kalifornien ist liberal, wenngleich nicht ganz so liberal wie die Türkei. In Idaho dagegen ist es je nach Sexualpraktik gestaffelt, im Falle besonders staatsfeindlicher Praktiken heißt es "lebenslänglich". Lebenslänglich für Sex! Gott aber, der im Grunde gar nicht so prüde ist, wie wir hier unten immer glauben, war über das überstrenge Strandgesetz von Idaho so empört, dass er Idaho vor einigen Jahren von der Küste ins Landesinnere strafversetzt hat. Jetzt haben sie in Idaho keine Strände mehr, bloß noch das Gesetz und ärgern sich scheckig.