Die Zeit: In Stardust Memories liefert Woody Allen seine ganz eigene Definition vom Glück: Glück ist, an einem warmen New Yorker Nachmittag eine Louis-Armstrong-Platte aufzulegen und Charlotte Rampling zu betrachten.

Charlotte Rampling: Diese Szene war ein echtes Geschenk. Ich blättere gedankenverloren in einer Zeitschrift, während er in einem wunderbaren inneren Monolog von seiner Liebe spricht. Er inszenierte mich in der Rolle der Dorrie wie eine laszive Katze, die auf dem Boden liegt. Als Inbegriff der Schönheit und Verführung. Und doch hat mir diese Einstellung auch Angst gemacht, weil ich mich von Woody Allens Blick überfordert fühlte.

Zeit: Die rätselhafte Dorrie aus Stardust Memories hat Ihr Image des unnahbaren Vamps verfestigt. Haben die Filmemacher das Mysterium stets in Sie hineinprojiziert, oder sind Sie wirklich so verschlossen?

Rampling: Ich denke, mein Rollenbild hängt durchaus mit den Abgründen in mir selbst zusammen. Und was das Spiel mit der Erotik betrifft: Mir lag immer daran, dass meine Filme etwas Aufrüttelndes, Aufklärerisches haben. Gerade in sexueller Hinsicht, so albern sich das anhören mag.

Zeit: Denken Sie an Nagisa Oshimas Film Max, mon amour, in dem Sie eine Affäre mit einem Schimpansen haben?

Rampling: Auch diese Liebesgeschichte hat ihre Normalität. Und mit einem Affen als Gegenüber spielt es sich auch nicht so viel anders als, sagen wir, mit Paul Newman.

Zeit: Was meinen Sie mit Aufklärerisch? In Liliana Cavanis Skandalfilm Der Nachtportier spielten Sie eine Holocaust-Überlebende, die nach dem Krieg eine sadomasochistische Beziehung mit einem SS-Offizier eingeht. Wollen Sie zeigen, dass es mehr Formen der Normalität gibt, als sich normale Leute vorstellen können?