argument Der Herr der KrisenSeite 2/2

Es mag zwar sein, dass er mit seiner Politik die Bildung von Spekulationsblasen an den Finanzmärkten gefördert hat, auf jeden Fall aber hat er in der Realwirtschaft für hohes Wachstum und kräftige Produktivitätssteigerungen gesorgt – und damit den Menschen Wohlstand gebracht. Er war mutig, weil er in den Boomjahren trotz stark sinkender Arbeitslosigkeit den Aufschwung nicht durch Zinsanhebungen abgewürgt hat – und weil er seit Januar 2001 die Zinsen unablässig, rasch und kräftig gesenkt hat. Seine vielleicht größte Stärke: Er kennt keine Denk-Tabus. Bereits 1998 wurden beispielsweise in der Fed intern diskutiert, wie im Falle einer Deflation zu reagieren sei – zwei Jahre vor dem Platzen der Technologie-Blase, fünf Jahre bevor Investoren anfingen, sich über dieses Thema ernsthaft Sorgen zu machen.

Mit der Kommunikation ihrer Strategie allerdings tut sich die Fed unter Greenspan schwer. Niemand weiß beispielsweise genau, welche Inflationsrate sie mit ihrer Geldpolitik anpeilt, wie viel Wachstum sie für inflationsneutral hält. Damit macht sich die Fed angreifbar und den Akteuren an den Finanzmärkten das Leben unnötig schwer. Das sollte Greenspan ändern. Damit wäre dann gleichzeitig auch noch ein weiteres Problem gelöst: Greenspan könnte nächstes Jahr nach 17 Jahren an der Spitze der US-Notenbank endlich in Ruhestand gehen, ohne dass es zu Verwerfungen an den Märkten käme. Denn eine klar formulierte Strategie würde jeden Nachfolger berechenbarer machen.

 
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  • Quelle (c) DIE ZEIT 21.08.2003 Nr.35
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  • Schlagworte Finanzen | Deflation | US-Notenbank | USA | US-Wirtschaft
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