umwelt Her mit der Kohle, weg mit der KohleSeite 5/5
Fazit nach fünf Jahren Liberalisierung: Über den deutschen Energiemarkt schwappte eine gigantische Fusions- und Konzentrationswelle, in deren Folge ebenjene vier Konzerne entstanden, deren Topmanager an des Kanzlers Tafel parlieren. Dem Wettbewerb sind die Wettbewerber ausgegangen. Neue Anbieter: überwiegend abgetreten oder defizitär. Der bundesdeutsche Durchschnittshaushalt zahlt die Zeche: durchschnittlich zehn Euro mehr im Monat als vor drei Jahren. Die Liberalisierung des Strommarktes ist gescheitert, sagen Verbraucherschützer. Die Politik hat keine klaren Vorgaben geliefert, sagt Verbandschef Meller.
Vielleicht sollte die Bundesregierung der US-amerikanischen Debatte nach dem Stromausfall mehr Aufmerksamkeit schenken. Dort erreichen inzwischen Geistesverwandte Jürgen Trittins mit ihren Ideen immerhin die Öffentlichkeit. Denn viele Energieexperten weisen nun darauf hin, dass Energiesparen eine effiziente und kostengünstige Lösung der Versorgungskrise wäre. Durchschnittliche US-Kraftwerke arbeiten im internationalen Vergleich mit lausigen Wirkungsgraden, Amerikaner leisten sich gewaltige, häufig veraltete (und damit besonders energiehungrige) Kühlschränke, Waschmaschinen und Klimaanlagen. „Das Versagen, in Energiespartechniken zu investieren, hat dazu geführt, dass es im Stromsystem kaum noch Pufferkapazitäten gibt“, sagt Amory Lovins, Chef der energiepolitischen Aktivistengruppe Rocky Mountain Institute in Colorado. Umgekehrt hat Kalifornien seine eigenen Energieprobleme seit den Blackouts von 2001 offenbar im Griff. Ein Drittel der Kalifornier hat seinen Energieverbrauch um mindestens zwanzig Prozent gesenkt – und damit, sagt Lovins, „zügig die Krise beendet, die das Weiße Haus mit 1300 bis 1900 zusätzlichen Kraftwerken beantworten wollte“.
Während Amerikaner sich grüne Gedanken machen, lässt in Europa der heiße Sommer 2003 amerikanische Verhältnisse wahrscheinlicher werden: Die von den Konzernen stets gepriesene Versorgungssicherheit durch Kohle und Kernkraft verliert sich in den sinkenden Flusspegeln und steigenden Wassertemperaturen. Geht das Kühlwasser aus, schalten sich Kraftwerke ab. Normalerweise gleichen Reservereaktoren den Spannungsabfall im Verbundnetz aus. Aber was, wenn allen Kraftwerken das Wasser fehlt? Die Not ist schon so groß, dass die Versorger zum sparsamen Umgang mit Energie aufrufen. „Der Dauerbetrieb von Klimaanlagen und Ventilatoren“ sei meist nicht nötig, appellierte EnBW, die sonst nie genügend Strom über ihre Tochter Yello verkaufen kann, an die Verbraucher.
Stromerzeuger, die zum Energiesparen aufrufen – bedürfte es einen Beweises, wie ernst die Lage ist, hier wäre er.
Mitarbeit: Thomas Fischermann
- Datum 21.08.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 21.08.2003 Nr.35
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