Kunstmarkt Süße kleine Ming-Vase
Das Interesse an orientalischer und asiatischer Kunst wächst schnell
Orientalische und asiatische Kunstwerke erzielen Höchstpreise. Das steigende Interesse zeigte sich bei den Frühjahrsauktionen und auf den Messen, auch der Handel zieht an. Bei Nagel in Stuttgart wurde Ende Mai ein auf 20000 Euro taxiertes seltenes Flaschenvasen-Paar aus der Qianlong-Zeit für 80000 Euro ersteigert. Auch bei Lempertz in Köln war man mit den Ergebnissen chinesischer Kunst im Juni zufrieden, wenn nicht entzückt. Eine kleine Emaildose aus dem 18. Jahrhundert, auf 400 Euro taxiert, ging für 165000 Euro in den Handel nach Taiwan. Nach einigen Jahren Pause veranstaltet auch das Wiener Dorotheum vom 13. Oktober an wieder Auktionen von Asiatika.
Mehrere Gründe für das steigende Interesse an asiatischer Kunst nennt der Kunsthändler Floris Vanderven in Herzogenbosch: „Es ist einer der wenigen Kunstbereiche, in denen international gesucht und gehandelt wird – nur im Osten Europas gibt es kaum Nachfrage. Vom 16. bis 18. Jahrhundert wurde chinesisches Gut praktisch in alle Welt exportiert.“ Inzwischen kaufen auch viele reiche chinesische Geschäftsleute das kulturelle Erbe ihres Landes zurück. „Was mit kaiserlichen Marken oder Siegeln versehen ist“, sagt der Junior von Vanderven & Vanderven Oriental Art, „wird aufgekauft, für Spitzenware gibt es kaum Preisgrenzen nach oben. Wenn Chinesen bei einer Auktion mitbieten, ist im Saal die Hölle los“, weiß er zu berichten, „weil die sich so gerne gegenseitig übertrumpfen“ ( www.vanderven.com ).
Solche Kunden hätte Karl Hennig von der Hamburger Galerie Zen Art auch gerne. Steigende Umsätze kann er nicht verzeichnen, meint aber, „in Hamburg für diese Sparte des Marktes auch eher in der Diaspora zu sein“. Sein Hauptgeschäft macht der gebürtige Braunschweiger, der als Austauschschüler in Japan seine Liebe für die dortige Kunst entdeckte, seit 20 Jahren auf Messen in Köln, München und Herrenhausen. „Asiatika sind ein Gebiet für Spezialsammler, da gibt es nur wenige Generalisten“, sagt er, „das sind dann häufig Künstler, Werber, Designer und Grafiker.“ Neben chinesischer und japanischer Keramik sowie Farbholzschnitten führt er auch frühe japanische Reisefotografie, beispielsweise des Fotopioniers Felice Beato.
Eines der Zentren für asiatische Kunst im weitesten Sinne ist London. Gibt es in Deutschland gerade eine Hand voll qualitäts-orientierter Händler, kann man dort ganze Straßenzüge mit spezialisierten Kunsthandlungen abschreiten. Vom 6. bis 14. November schwelgt die Stadt wieder in Asian Art, einer geballten Ladung von Ausstellungen, Versteigerungen und wissenschaftlichen Veranstaltungen, an der 50 Galerien, die Auktionshäuser und viele Kulturinstitutionen teilnehmen ( www.asianartinlondon.com ).
Zu den führenden Händlern in London gehört Ben Janssens, der erlesene chinesische Kunst von neolithischer Zeit um etwa 3000 vor Christus bis zur Ming-Dynastie vom 14. bis 17. Jahrhundert im Programm hat. Obschon seit Jahrzehnten gut im Geschäft, eröffnete er im Juni erstmals eine Galerie ( www.benjanssens.com ). „Eine Zeit lang hatte man geglaubt, das Internet sei eine perfekte Plattform. Aber ich spüre doch bei meinen immer zahlreicher werdenden Kunden das starke Bedürfnis, die auf Messen aufgenommenen Kontakte beim Galeriebesuch zu vertiefen“, sagt Janssens, der maßgeblich am Aufbau der Messen TEFAF in Maastricht und Cultura in Basel beteiligt war. Letztere findet in diesem Jahr zum fünften Mal statt, diesmal mit einer Sonderausstellung mit Möbeln aus der Ming-Zeit (14. bis 19. November).
Auch Mary Amkreutz von der Galerie The Blue Elephant Oriental Art in Maastricht registriert Zuwächse. „Eigentlich war das Geschäft mit asiatischer Kunst immer gut, aber es wird doch mehr und mehr nachgefragt.“ Dazu haben ihrer Meinung nach große Ausstellungen und die Medien beigetragen. Das Interesse jüngerer Leute führt sie auch auf das Reisen zurück. Wenn Mary Amkreutz selbst auf Reisen geht, dann zu reinen Studienzwecken in Museen, nicht zu Einkäufen: „Einmal abgesehen von dem offiziellen Exportverbot, sind fast alle wichtigen guten Sachen schon lange Zeit in Sammlungen im Westen, beispielsweise in Frankreich, der Schweiz oder auch in Süddeutschland. Wir beziehen unsere Ware vor allem aus diesen Ländern.“ Einen Grund, warum asiatische Objekte und Möbel zunehmend auch neue und jüngere Käuferschichten begeistern, erläutert sie so: „Die puristischen Formen lassen sich harmonisch mit zeitgenössischer Kunst und Design in Einklang bringen.“ Das bekommt sie anschaulich beim Ausliefern von Ware vorgeführt: „Meistens treffe ich dabei auf moderne, klare Interieurs.“
- Datum 21.08.2003 - 14:00 Uhr
- Serie kunstmarkt
- Quelle (c) DIE ZEIT 21.08.2003 Nr.35
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







