Kurz vor Gaborone biegt der Laster rechts ab, rumpelt über die Holperschwellen vor den Versuchsfeldern und Ställen der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt und gelangt auf eine Sandpiste. Ein paar Kilometer führt sie hinaus in die hitzeflirrende Savanne Botswanas, dann taucht das Wellblechdach einer Lagerhalle auf. Der Laster bremst. Auf dem Hallentor leuchtet ein Totenkopf auf gelbem Grund. „Gefährliche Chemikalien“ steht darunter und: „Schutzkleidung und Gasmaske tragen“. Ein süßlicher Geruch nach Lösungsmitteln hängt in der Luft. Der Laster wird von einem Arbeiter rückwärts an die Halle dirigiert. Dort steht Cornelius Mokgoko in Jeans und offenem Hemd und schaut nach, was seine Mitarbeiter diesmal eingesammelt haben.

Acht schwarze Plastiksäcke liegen auf der Ladefläche, jeder so groß wie ein Ölfass und oben offen. Ihr Inhalt besteht aus verrosteten und zerbeulten Blechdosen, allerhand losem Müll, steifen Arbeitshandschuhen und Plastikkanistern mit Resten rötlicher Flüssigkeit. „Der Laster war eine Woche lang in der Umgebung von Kasane unterwegs“, sagt Mokgoko. „Das ist eine Ackerbauregion rund 1000 Kilometer weiter nördlich.“ Alles, was dort auf den Höfen der Kleinbauern herumlag und nach Gift aussah, haben Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums gesammelt und ins Zentrallager der Hauptstadt Gaborone gebracht. In der Halle wird der Inhalt der schwarzen Säcke jetzt sortiert und in blaue Plastikfässer umgepackt. „Dann kommt das Ganze in Container und wird über Südafrika nach Europa verschifft“, sagt Mokgoko, der Chef des landwirtschaftlichen Entsorgungsprogramms.

Ein Drittel der Altlasten besteht aus längst verbotenen Substanzen

Sein kleines Büro liegt einige Kilometer entfernt in einer Außenstelle des Ministeriums. An der Wand brummt eine Klimaanlage, auf dem Tisch stehen Telefon, Fax, Computer mit Internet-Anschluss – und alles funktioniert. Botswana ist die Schweiz Afrikas, der Staat wohlhabend durch seine 50-Prozent-Beteiligung an den ertragreichsten Diamantminen der Welt. Hier gibt es nicht nur Umweltgesetze, sondern auch eine Verwaltung, die in der Lage ist, sie umzusetzen.

320 Tonnen verdorbene Pestizide zur Heuschreckenbekämpfung hat Mokgokos Truppe im vergangenen Jahr gesammelt, umgepackt und auf eigene Kosten nach England geschickt. Denn in ganz Afrika gibt es keine einzige Sondermüll-Verbrennungsanlage, und Hochtemperaturverbrennung ist der sicherste Weg, die Altpestizide unschädlich zu machen. Aber auch teuer: Rund 3500 Dollar pro Tonne kostet das Einsammeln, Verschiffen und Verbrennen. Und das ist auf Dauer selbst für das Musterland Botswana zu viel.

Auf eine halbe Million Tonnen schätzt die Welternährungsorganisation FAO den weltweiten Bestand an Altpestiziden, deren Haltbarkeitsdatum überschritten ist oder die inzwischen verboten wurden. Die UN-Umweltorganisation Unep unter Leitung des früheren deutschen Umweltministers Klaus Töpfer hat Altpestizide ganz oben auf die Liste gefährlicher Chemikalien in Entwicklungsländern gesetzt. Zwar sind Dioxine aus unkontrollierter Müllverbrennung und PCBs in der Atemluft nach Ansicht der Unep potenziell noch größere Umweltrisiken, doch liegen dafür noch nicht einmal Schätzungen vor, im Unterschied zu den Mitteln der Agrochemie.