Was uns quält Kinderlose bitte zahlen
Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller griff am Montag den bekannten Vorschlag auf, eine Besserstellung bei der Rente für Eltern zu schaffen. Kindererziehung müsse belohnt werden. - Eine Serie der ZEIT.de
Jetzt also erneut die Kinderlosen. Sie sollen laut Peter Müller (CDU) zur Kasse gebeten werden, höhere Rentenbeiträge zahlen oder eine geringere Pension im Alter beziehen als Bundesbürger mit Kindern – ähnlich hatte sich bereits Angela Merkel geäußert. Ist ein größerer Unsinn vorstellbar? – Warum ist denn die Geburtenrate in Deutschland so niedrig? Warum entscheiden sich Ehepaare gegen Nachwuchs? Aus Egoismus? – Mag sein, aber einer der Hauptgründe dürfte die finanzielle Unsicherheit sein. Kinder sind emotional gesehen eine große Bereicherung, aber sie kosten Geld, und das für eine lange, lange Zeit. Selbst mit einem überdurchschnittlich hohen Einkommen verändert sich der Lebensstandard durch die Geburt eines Kindes drastisch. Ein Gehalt reicht da selten, doch wo soll das Kind bleiben, wenn Mutti auch zur Arbeit muss? Bei den Großeltern vielleicht, aber die wohnen selten in der Nähe, arbeiten möglicherweise selbst noch (bis zum 67. Lebensjahr). Auch Kita-Plätze sind rar und kosten ebenfalls Geld. Und was ist mit den Paaren, die sich sehnlich ein Kind wünschen, aber keines bekommen? Ab in die Fertilisationsklink, die Kosten kommen schon über die gesparten Rentenbeiträge wieder rein? Wohl kaum. Die Gründe für die Geburtenstagnation sind bekannt, doch statt mehr Einrichtungen mit flexibler Kinderbetreuung einzurichten oder gesetzliche Veränderungen im Arbeitsrecht für Eltern vorzunehmen, kommt der Vorschlag, diejenigen zu bevorteilen, die Mut beweisen – oder „einfach nur“ ein Kind zeugen.
Dass Eltern trotz Kindergeld und Steuerfreibeträgen noch eine weitere finanzielle Unterstützung erhalten, ist gerecht; dieses selbst so genannten Besserverdienenden zu gewähren, macht möglicherweise Sinn. Aber warum sollen Kinderlose plötzlich mehr zahlen? Dies wird sie nicht motivieren, Kinder in die Welt zu setzen. Und das Rentenproblem wird es auch nicht lösen.
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- Datum 21.08.2003 - 14:00 Uhr
- Serie cvd
- Quelle ZEIT.de 26.08.2003
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