Kindersoldaten Krieg der KinderSeite 9/12

Ihren eigenen Nachwuchs schicken diese Mächtigen oft gerne auf Eliteschulen in Europa oder Amerika, die Kinder der Armen lassen sie im Busch verbluten. Wenn der Krieg vorüber ist, wollen sie nichts mehr davon wissen. Seit in Angola die Waffen schweigen, bestreiten sowohl die MPLA-Regierung als auch die Aufständischen der Unita den massenhaften Einsatz von Kindersoldaten. Denn sie wissen: Schon ihre Rekrutierung verletzt die UN-Konvention zum Schutz der Kinder und ist nach den Statuten des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag ein Kriegsverbrechen. Alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben die Konvention unterzeichnet. Alle bis auf zwei: Somalia und die USA.

Szenenwechsel, rund 500 Kilometer nördlich von Bunia: Im Gleichschritt Marsch, vorwärts ihr kleinen Krieger! Die Truppe bewegt sich zum Rhythmus monotoner Trommelschläge. Exerzieren, das haben sie bei der sudanesischen Volksbefreiungsarmee SPLA gelernt. Aber heute tun sie es für den Frieden, und sie werden nicht auf Leben und Tod kämpfen, sondern um Medaillen – bei den Olympischen Spielen der Kindersoldaten. Die finden nun schon zum dritten Mal statt, auf dem staubigen Militärflughafen von Turalei, einem 300-Seelen-Nest im Südsudan.

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Hilfsorganisationen richten Olympische Spiele aus

Keine siebzig Kilometer vom Dorf entfernt liegen die umkämpften Ölfelder. Das Ringen um das schwarze Gold im Sudan, um die politische Macht und um den einzig wahren Glauben hat den zweitgrößten Flächenstaat Afrikas in den längsten Bürgerkrieg der postkolonialen Geschichte gestürzt. Das Islamistenregime im Norden gegen den christlich-animistischen Süden, Regierungstruppen gegen Rebellen, so geht das seit 1955, unterbrochen durch ein paar Friedensschlüsse und Feuerpausen. Die blutigste Phase begann Anfang der 1990er Jahre. Unterdessen sind rund 1,5 Millionen Sudanesen an den Folgen von Krieg und Hungersnöten gestorben.

Die meisten der 1500 Kinder, die sich zum großen Sportfest in Turalei versammeln, haben aufseiten der SPLA gekämpft. Sie sind desertiert oder wurden entlassen. Die Aufständischen wollten ein Zeichen des guten Willens setzen – und spekulieren auf Hilfsgelder. Manche der ehemaligen Kindersoldaten sind aus ihren zerstörten Dörfern tagelang hierher gewandert, denn dies ist eine Veranstaltung, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Für drei Wochen dürfen sie ihre Albträume verdrängen, die immer gleichen Geschichten von Verschleppung, Versklavung und Vergewaltigung.

„Eines Tages griffen die wilden Reitertrupps der Murahelin unser Dorf an“, erzählt Mary Nyandagou. „Sie trieben die Rinder zusammen und schossen blindlings um sich. Viele Bewohner konnten fliehen, aber ich war damals noch zu klein, um wegzurennen. So haben sie mich gefangen. Ich musste in den Camps das gestohlene Vieh hüten und für die Soldaten kochen. Meine Eltern habe ich nie wieder gesehen.“

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