Astrid Proll schloss sich im Jahr 1968 Andreas Baader, Gudrun Ensslin und ihrem Bruder Thorwald Proll an, nach den Kaufhausbrandstiftungen bei Kaufhof und Schneider in Frankfurt am Main, den ersten Anschlägen der späteren RAF. 1971 wurde Astrid Proll festgenommen und saß vier Jahre in Haft wegen Banküberfalls und Urkundenfälschung. Seit Anfang der achtziger Jahre arbeitet Proll, die nach der Schule beim Berliner Lette-Verein Fotografie studiert hatte, als Fotografin und Autorin. Neun Jahre, ab 1987, war sie Redakteurin bei der Zeitgeist-Zeitschrift Tempo, die Journalismus zu Pop machte. Mittlerweile ist auch die RAF zu einem Pop-Phänomen gemacht worden. In dem Film Baader erscheint Baader als cooler Dandy. Models posieren als Terroristen. Über die Frage, ob die Ästhetisierung den Terror verharmlost oder der Terror sich selbst schon ästhetisierte, ist eine heftige Debatte entbrannt.

Frau Proll, das Bild der RAF hatte immer schon zu tun mit den ikonenhaften Bildern ihrer Mitglieder, mit Symbolen und dem Mythos vom wilden Leben und jungen Sterben. Kommt die RAF in den modischen Inszenierungen gewissermaßen zu sich selbst?

Unsinn. Man darf das nicht so ernst nehmen. Die Leute, die solche Geschichten inszenieren, machen am nächsten Tag eine Geschichte über Eskimos oder fotografieren die nächste Modestrecke. Es scheint mir aber auch, dass hinter T-Shirts mit der Aufschrift "Prada-Meinhof" und Ähnlichem eine neue Selbstdarstellung steckt. Je vielfältiger die äußeren Attribute, umso interessanter wirkt man. Nur haben diese Attribute keine Bedeutung mehr, keinen Bezug zum eigenen Leben. Aber die Leute wollen eben mehr als nur ein T-Shirt.

Was empfinden Sie bei diesen Ästhetisierungen?

Ich gucke mir so was gar nicht an.

Da liegt dann der tote Schleyer im Kofferraum, daneben stehen zwei Models, Andreas und Gudrun, und im Text heißt es: "Andreas trägt Sandalen von Woolworth…"

Natürlich ist das widerlich.

Die Anschläge gegen die Kaufhäuser richteten sich gegen die "kapitalistische Konsumwelt" und die "Ersatzbefriedigung", die darin bestand, sich "alle zwei Jahre ein neues Modell" von allem zu kaufen – also gegen das Prinzip, das die Mode zum Selbstzweck erhebt.