weltwirtschaft Die Wandlung des Jeffrey SachsSeite 5/5

So krass, wie sie scheint, ist seine Wandlung tatsächlich nicht. Lange schon hat er den Währungsfonds kritisiert, der allerorten Standardrezepte durchsetzte. Immer hat er den britischen Nationalökonomen John Maynard Keynes bewundert, weil der die Zusammenhänge von Wirtschaft und Politik verstanden habe. Und relativ früh hat er die Gesundheit ins Zentrum der Entwicklungstheorie gerückt.

Nun legt er für sein Earth Institute in New York ein großes Forschungsprogramm auf, das die Entwicklungslehre verbinden soll mit Erdkunde, Biologie, Technik, Soziologie und Gesundheitsökonomie. Das Ziel ist unbescheiden. „Wir versuchen, eine neue Disziplin zu entwickeln, so wie aus Biologie und Chemie die Biochemie entstanden ist“, erklärt der Chef. Man dürfe physische Probleme wie Überdüngung oder Wetter nicht von den sozialen trennen. Er liegt im Trend. Heute wachsen die Zweifel an der herrschenden Ökonomie. Diese Standardlehre „ist von geringem Nutzen“, sagt Sachs, sie habe kaum noch Verbindung zur Öffentlichkeit. Tatsächlich schrumpfen die Reihen ökonomischer Bücher in den Läden, und junge Ökonomen suchen lebensnähere Ansätze.

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Der Kämpfer gegen den Mainstream ist wieder obenauf. Seine Wandlung reflektiert die schleichenden Veränderungen in der Ökonomie. Die Diskussion um die Globalisierung ist pragmatischer geworden – selbst im Währungsfonds gilt die reine Lehre nicht mehr alles. Aber Sachs ist nicht nur ein Trendsetter, sondern auch ein Trendsurfer. Er müsse glaubwürdig sein für seine Kunden, die Regierungen, sagt der Entwicklungsdoktor. Ja, aber auch attraktiv. Nur dann bekommt er die Gelegenheit, „die Dinge voranzutreiben“, wie er sagt. „Diesen Sommer habe ich vielleicht mit 25 Regierungschefs geredet. Sie vertrauen mir“, sagt Jeffrey Sachs. Da klingen Spaß, Stolz, Verpflichtung durch. Keine Frage, Sachs will am Ball bleiben, in seinem Fall am Erdball, und mindestens insofern ist er sich treu geblieben.

 
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