technik Der vernetzte KämpferSeite 2/2

Während die Generäle vom vernetzten Krieg träumen, gilt diese Vision nicht allen Experten als der Weisheit letzter Schluss. „So richtig vom Ansatz her Network Centric Warfare auch erscheinen mag, als Konzeption muss es sich in der harten militärischen Realität erst noch bewähren“, urteilt Holger Mey vom Bonner Institut für Strategische Analysen. Was macht der aufs Netz zentrierte Krieger etwa, wenn im Feld die Akkus leer sind und es mit der Stromversorgung hapert? Die jüngste Welle aggressiver Computerviren und der großflächige Stromausfall in den USA haben der vernetzten Gesellschaft vor Augen geführt, wie verwundbar ihre Infrastrukturen sind – im militärischen Ernstfall sind solche Ausfälle tödlich.

Und auch zu den angeblichen Erfolgen der neuen Technik im Nahen Osten müssen sich die Militärs zahlreiche Fragen gefallen lassen. Warum etwa läuft Osama bin Laden nach wie vor frei herum, wo das Zusammenspiel von Mensch und Technik am Hindukusch doch so gut funktioniert haben soll? Die viel gepriesenen Aufklärungsdrohnen seien in Afghanistan wenig effektiv gewesen, belegt Stephen Biddle vom Army War College in Pennsylvania in einer Studie. Vor der Schlacht bei Takur Ghar etwa hätten die Amerikaner nur die Hälfte der Taliban-Stellungen entdeckt. Und haben sich die Republikanischen Garden Saddam Husseins nicht eher durch amerikanische Schmiergelder als durch die High-Tech-Waffen vom Häuserkampf in Bagdad abhalten lassen? Die eigentliche Präzisionswaffe sei der Dollar gewesen, spottete kürzlich die Zeitschrift Defense News. Oberkommandeur Tommy Franks hatte dem Blatt gestanden, dass amerikanische Spezialeinheiten und Geheimdienstmitarbeiter schon vor dem Krieg hohe irakische Offiziere bestochen hatten, nicht gegen die US-Truppen zu kämpfen. Technik allein, das wissen auch die Befürworter der neuen militärischen Mode, hat noch nie einen Krieg gewonnen.

Von Stefan Krempl erscheint im November das Buch „Krieg und Internet: Ausweg aus der Propaganda?“ (Heise-Verlag)

 
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