Die komische Mutter

Die britische Autorin Allison Pearson beschreibt in einem amüsanten Roman die Nöte einer Frau zwischen Beruf und Familie. Einfache Lösungen hat sie nicht zu bieten – gerade deswegen fliegen ihr alle Herzen zu

Kate Reddy genießt es, in Airport-Lounges die einzige Frau zu sein. Sie liebt ihre Arbeit als Fondsmanagerin in der Londoner City, und sie macht diesen Job tadellos. Aber Kate ist rastlos, getrieben und ständig unter Druck. Ihr Kopf produziert pausenlos Listen mit Dingen, die sie nicht vergessen darf. Denn Kate hat zwei kleine Kinder, und auch die Mutterrolle will sie so gut beherrschen wie die Zahlen im Büro.

Manchmal ist sie so müde, dass sie sich wünscht, ein Bodydouble könne für sie unter die Dusche gehen. Oder sie putzt sich abends extra lange die Zähne, um Sex mit ihrem Mann auszuweichen. Das spart Zeit. Kate manipuliert fertig gekaufte Kuchen, damit ihre Tochter etwas in die Schule mitnehmen kann, das aussieht wie selbst gemacht. Und sie gibt mehr Geld aus für das Weihnachtsgeschenk ihres Kindermädchens als für den Rest der Familie. Denn wenn das Kindermädchen nicht bei Laune ist, bricht alles zusammen.

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Kate Reddys Leben ist Fiktion, beschrieben in Allison Pearsons Roman I don’t know how she does it *. Die Komödie über das Scheitern und Tragödie über den Erfolg, so der Untertitel der englischen Originalausgabe, hat sich allein in Großbritannien über eine halbe Million Mal verkauft. Verlage in bislang 27 Ländern haben das Buch übersetzt oder arbeiten daran, längst hat sich Hollywood die Filmrechte gesichert, Anthony Minghella führt Regie. Die Romanfigur Kate ist auf dem besten Wege, in der ganzen Welt Synonym für das hektische Leben berufstätiger Mütter zu werden.

Ein Jahr nach Erscheinen ihres Buches erhält die britische Journalistin immer noch täglich EMails, Briefe oder Faxe von dankbaren Leserinnen. Wie kommt es, dass Pearson mit ihrem ersten Roman offenbar das Lebensgefühl einer ganzen Generation von Frauen so genau getroffen hat? Das Thema ist schließlich nicht neu, auch nicht die Erkenntnis, dass berufstätige Mütter ständig unter Strom stehen. Was ist also das Besondere an ihrem Buch, und warum erkennen sich so viele Frauen darin wieder? (Männer lesen das Buch inzwischen auch, weil sie ihre Frauen bei der Lektüre immer kichern hören. Deshalb lässt der britische Verlag das bislang rosafarbene Taschenbuchcover in der neuesten Auflage hellblau drucken).

»Ich wusste, hier ist ein großes Thema, nachdem ich vor gut drei Jahren in einer Umfrage zum Muttertag gelesen habe, dass sich die meisten berufstätigen Frauen nur eines wünschen: ein bisschen mehr Zeit für sich selbst zu haben. Das fand ich ziemlich wenig für eine Generation, die dachte, sie könne die ganze Welt regieren.« Die Umfrage belegte außerdem, dass sich zwei Drittel der befragten Frauen zu erschöpft fühlten, um Sex zu haben, und dass über die Hälfte von ihnen ihr Leben für stressiger hielt als das ihrer Mütter. »Das hat mich umgehauen. Ich meine, wofür haben wir Waschmaschinen, Verhütungsmittel und gleichberechtigte Partnerschaften, wenn das das Ergebnis ist?«, fragt Pearson.

Sie schrieb ihr Buch am frühen Morgen – bis die Kinder aufwachten

Wir sitzen nicht weit von ihrem Haus im Londoner Stadtteil Islington zum Lunch im Carluccio’s, einem Restaurant, das nebenbei auch italienische Feinkost verkauft. Hier habe sie unlängst einen dieser Kate-Reddy-Momente erlebt, erzählt die Mutter einer siebenjährigen Tochter und eines vierjährigen Sohnes. Sie hatte Gäste nach Hause zum Essen eingeladen, plötzlich blieb keine Zeit mehr zum Kochen, also kaufte sie in letzter Minute Pasta bei Carluccio’s. Sah aus wie hausgemacht. Kate-Reddy-Momente sammelt Pearson, seit alle möglichen Frauen ihr auf Lesereisen und in Briefen Geschichten erzählen, die der Heldin ihres Buches auf den Leib geschrieben scheinen, die jedoch tatsächlich passiert sind.

Die niederschmetternde Umfrage inspirierte Pearson zu einer ihrer Zeitungskolumnen, die sie für den Londoner Evening Standard schreibt. Darin listete sie ein paar jener Dinge auf, die einer Durchschnittsmutter auf dem Weg zur Arbeit so durch den Kopf gehen: »Was sollen wir morgen essen? Lasagne auftauen. Windeln kaufen (Nicht vergessen: Tom hat jetzt andere Größe!!). Muss endlich Testament machen. Bargeld für den Babysitter rauslegen. BECKENBODEN!! Termin beim Frisör wg. Strähnen. Stressreduzierende Aromatherapie-Massage absagen usw. usf.« Die Resonanz war überwältigend, Kate Reddy geboren.

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