Erforscht & Erfunden
Der erste Landgang
Wann verließen Lebewesen erstmals den Urozean und wagten sich an Land? Wissenschaftler aus Großbritannien und Oman sind der Beantwortung dieser Frage ein Stück näher gerückt , Nr. 425, S. 282). Sie untersuchten Gesteinsproben aus dem nördlichen Oman, die dem Zeitalter des Ordovizium (vor zirka 500 bis 440 Millionen Jahren) entstammen, und fanden darin fossile Pflanzensporen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Sporen einst in großer Zahl in Sporangien (Fruchtbehältern) gebildet wurden – ein starker Hinweis darauf, dass sie von echten Landpflanzen stammen. Elektronenmikroskopische Untersuchungen ergaben, dass diese Urpflanzen sehr klein waren und Ähnlichkeit mit den heutigen Lebermoosen hatten. Sie erklommen das feste Ufer vor etwa 475 Millionen Jahren.
Langer Weg zur Besserung
Krebspatienten, die einen langen Weg zum Krankenhaus zurücklegen, leben länger. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Universität von Chicago. Sie untersuchten bei 110 Krebspatienten im fortgeschrittenen Stadium den Zusammenhang zwischen Krankheitsverlauf und Länge des Anfahrtswegs (Journal of the National Cancer Institute , Nr. 95, S. 1370). Verblüffendes Resultat: Je weiter die Patienten von ihrem Behandlungsort entfernt wohnten, desto geringer war ihr Todesrisiko. Die Forscher glauben, dass Patienten mit einem langen Anfahrtsweg sich bewusst für einen bestimmten Arzt oder eine Therapie entscheiden und dadurch eher die für sie richtige Behandlung finden.
Gruseliger Schall
Manche Orte gelten als verhext, und tatsächlich stellen sich dort mitunter unerklärliche Angstgefühle ein. Vielleicht ist ja der Urheber des Grusels so genannter Infraschall – also Schall unhörbar tiefer Frequenz. Das meint zumindest der Akustiker Richard Lord vom National Physical Laboratory in England, der unlängst die Wirkung von Infraschall auf den Menschen untersuchte. Dazu wurden während eines Konzerts 750 Besuchern vier Stücke vorgespielt, von denen einige (ohne Wissen des Publikums) mit Infraschall unterlegt waren. Befragt nach ihrem musikalischen Eindruck, gaben 22 Prozent der Hörer bei den Infraschall-Stücken unangenehme Gefühle wie Furcht, Kummer und Abscheu an. Infraschall entsteht auch in der Natur bei Stürmen, Erdbeben und jahreszeitlichen Winden.
Knoblauch für Kleingärtner
Knoblauch bekämpft bekanntlich Vampire, ist gesund – und hilft auch gegen Schnecken und Nacktschnecken. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der University of Newcastle in Großbritannien. Sie testeten zehn künstliche und natürliche Pestizide an Schnecken und Nacktschnecken, darunter auch ein Knoblauchkonzentrat (Crop Protection , Nr. 22, S. 1033). Eine fünfprozentige Lösung des Konzentrats tötete 95 Prozent der Weichtiere und hinderte sie somit wirksam daran, sich an den in den Tests ausgelegten Kohlblättern zu vergreifen. Die Forscher wissen jedoch nicht genau, welcher Wirkstoff für die Tiere tödlich ist. Jetzt wollen sie prüfen, ab welcher Konzentration Knoblauch effektiv wirkt und ob die Ernte nach einer Knoblauch-Behandlung überhaupt noch genießbar ist. Für den Kleingärtner, so die Forscher, müssten zerdrückte Knoblauchzehen, vermischt mit Wasser, reichen, um die Weichtiere vom Fressen abzuhalten.
Erratum
In der Ausgabe 37/03 haben wir in dem Artikel Das Rätsel der Magnetberge versehentlich den Ort Los Baños von den Philippinen nach Indonesien verlegt. Wir bitten um Nachsicht.
- Datum
- Quelle (c) DIE ZEIT 18.09.2003 Nr.39
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