Rechtsdrehende Wassernebel
Das Hotel Begawan Giri auf Bali steht am Berg der Götter. Welch eine Schönheit! Der Mensch erträgt sie kaum
Das Einzige, was einen vermuten lässt, dass man vielleicht doch nicht im Paradies ist, sind die Stechmücken. Doch davon später.
Begawan Giri auf Bali ist eine Art Landgut, gebaut in ein Urwaldtal, das so schön ist wie vielleicht weniges auf der Welt. Es ist Jahrhunderte her, da kamen drei heilige Hindus, die Begawanthas, in dieses Tal, um am Fluss zu meditieren. Sie zogen die Einwohner von den Küsten an, man begann Reisterrassen um das Tal herum anzulegen, und so entstand Begawan, ein Ort von heute 600 Einwohnern, die nicht nur dieses Traumland hatten, sondern auch noch in östlicher Richtung den Sitz der Götter: Gunung Agung, einen 3000 Meter hohen Vulkan. Dazu die Quellen, die laut deutscher Strahlenmessung für die besten in Indonesien gehalten werden: »Rechtsdrehende Wassernebel durch die Zerstäubung beim Wasserfall«. Also wenn das nicht gesund klingt.
Vor etwa 10 Jahren kamen dann die Engländer Bradley und Debbie Gardner nach Bali, machten Picknick in diesem Tal, verkauften danach ihr Modeschmuck-Imperium und erwarben das acht Hektar große Land mit Fluss und Quellen, und eigentlich erwarben sie auch den Sitz der Götter, weil man den von Begawan Giri aus besonders gut sieht.
» Hello, this is Bodi, the Butler, where do you want to have breakfast?« Bodi ist der stellvertretende »Head-Butler«, ausgebildet vom Begawan-Master-Butler, der wiederum an der berühmten britischen Watson-School für das Butlertum geschult wurde. Bodi sagt, er könne Breakfast überall servieren, im heiligen Pool mit rechtsdrehendem Quellwasser, unten am reißenden Bergfluss, zwischen kaminfeuerroten African tulip-flowers oder einfach mal auf einem Baum, schwierig würde es nur mit dem Sitz der Götter, da könne er nicht garantieren, ob das Rührei noch warm ist. Bodi, der vermutlich charmanteste Butler der Welt, ist der Stellvertreter Balis in Begawan Giri. Langmut, Humor, Kreativität – und das ewige Lächeln, das auf Bali anscheinend immer natürlich und herzlich ist. Außerdem hat Bodi eine Breakfast-Assistentin, die heißt Sodi, und wenn Gauguin ihr begegnet wäre, hätte er sein ganzes Leben lang nur Sodi gemalt.
Frühstück gibt es heute in der Residenz Tirta Ening, übersetzt heißt das »Klares Wasser«. Tirta Ening ist eine der fünf Residenzen, welche die Gardners alle in die Hänge haben bauen lassen. Schon bautechnisch ist das sehr verblüffend, aber architektonisch ein Wunderwerk. Jede Residenz, so plante es der Architekt Jeffrey Bauer aus Sri Lanka, hat 4 oder 5 Suiten, sodass man auf insgesamt 21 voneinander trennbare Wohnbereiche kommt, die alle im Zeichen der Elemente stehen. Neben Tirta Ening gibt es noch Tejasuara, die Feuer-Residenz, Bayugita, die Residenz des Windes, und Umabona, das Haus des Erdensohnes. Außerdem gibt es die Wald-Residenz Wanakasa, dort schaut man aus dem Master-Bed-Room direkt in den Urwald.
- Datum 18.09.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 18.09.2003 Nr.39
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