die zeit: Wie ernsthaft ist die Drohung Israels, Jassir Arafat ins Exil zu befördern?

Schlomo Brom: Falls es tatsächlich zu einem Megaanschlag auf Israelis kommen sollte, schließe ich ein solches Szenario nicht aus. Aber solange der Terror nicht über das jetzige Maß hinausgeht, halte ich das für unwahrscheinlich – zumindest solange die Vereinigten Staaten von Amerika dagegen sind.

zeit: Zehn Jahre nach dem Osloer Abkommen ist Arafat wieder Israels Erzfeind. Mit ihm geht nichts, so die gängige Meinung, ohne ihn aber auch nichts, wie die letzten Wochen zeigen. Wie also soll man mit ihm umgehen?

Brom: Wir müssen mit Arafat leben, ob es uns passt oder nicht. Ihn auszuweisen würde die Situation nur verschlimmern. Denn wenn er einem Friedensprozess Steine in den Weg legen will, dann kann er das auch von woanders aus tun. Und wenn wir ihn umbrächten, würde das zu sehr harschen Reaktionen der Palästinenser und der arabischen Welt führen. Die Gewalt würde ansteigen. Zudem: Jene, die an Arafats Stelle treten würden, wären nicht moderater, andernfalls würde man sie als Verräter abstempeln. Nichts würde sich ändern, wenn man Arafat entfernte.

Der einzige Weg, mit ihm umzugehen, ist, ihn zu manipulieren. Achmed Kurei als neuer Ministerpräsident wird einen anderen Umgang mit dem PLO-Chef finden als sein gescheiterter Vorgänger Machmud Abbas, der die offene Konfrontation mit Arafat wagte. Es war von Anfang an klar, wohin dieser Weg führen würde. Kurei hingegen kann geschickt mit Arafat umgehen und auf ihn einwirken. Das ließ sich gut während der Osloer Friedensverhandlungen beobachten, als Kurei die palästinensische Delegation leitete.

zeit: Aber wird er nicht die gleichen Probleme bekommen wie sein Vorgänger, etwa wenn er die verschiedenen Sicherheitsorgane unter eine Autorität stellen wollte? Arafat hat in dieser Frage nicht mit Abbas kooperiert, warum sollte er das jetzt tun?

Brom: Die Frage ist nicht so sehr eine gemeinsame Schirmherrschaft für alle Polizeieinheiten, sondern die Befehle, die sie bekommen. Solange Arafat da ist, wird er die Sicherheitspolitik bestimmen. Wir als Israelis müssen uns fragen, wie wir die Palästinenser zu einer Sicherheitspolitik bewegen können, die sich an die Versprechen im Rahmen des Friedensplans "Roadmap" hält. Es gibt keine Möglichkeit, Fortschritte zu erzielen, solange sie sich nicht ihrer Extremisten erwehren. Das heißt nicht unbedingt Gewaltanwendung, es kann auch Kooption bedeuten. Die palästinensische Regierung muss jedenfalls einen Weg finden, um die radikalen Gruppierungen zu entwaffnen.